BVT - 40 Jahre Management und Strukturierung von Sachwertanlagen

Harald von Scharfenberg
Harald von Scharfenberg

Helmut Schmidt wurde Kanzler und Harald von Scharfenberg startete eine Karriere, die ihn zu einem der erfolgreichsten Unternehmer der Kapitalanlagebranche machte: Das war 1976, vor vierzig Jahren. Kaum zu glauben, dass der Markt, den ich gerne den kleinen Kapitalmarkt nenne, nicht den grauen, wie es sich eingebürgert hat, einen Unternehmer hervorbrachte, der heute ein 40-jähriges Firmenjubiläum feiern kann.

Es ist eine gute Geschichte, aber vor allem eine, die aussagt, dass der richtige Gedanke zur richtigen Zeit und unternehmerische Tugenden, die es erlaubten, auch Tiefen zu durchlaufen, in dieser gescholtenen Branche stattfinden. Allen Gerüchten zum Trotz: Diese Kapitalanlagebranche hat viel Besseres geleistet als immer dargestellt wird. Dem Beispiel der Münchener BVT und ihrem Gründer Harald von Scharfenberg soll deshalb dieser TOP-Platz gehören.

Harald von Scharfenberg: „In der Tat hatte ich das Glück, als ältester Sohn für die Übernahme des elterlichen land- und forstwirtschaftlichen Betriebs vorgesehen zu sein. Allerdings kam ich auch früh mit der Hamburger Finanzwelt in Kontakt, die mir sehr viel spannender erschien als das heimische Landleben. Und so nahm ich als junger Landwirtschaftsstudent die Gelegenheit wahr, über IOS in den Strukturvertrieb von Fonds einzusteigen, die Urzelle des deutschen grauen Kapitalmarktes.

Es war quasi das erste Mal, dass Finanzprodukte nicht über Banken vertrieben wurden. Anschließend lernte ich das Bankgeschäft als Trainee bei der Privatbank Lampe und später in London und den USA kennen, zu einer Zeit, als die Börsen wenig Anlass zur Freude boten und auch ich selbst mit meinen Aktieninvestments ordentlich Federn gelassen hatte.

Zurück in Deutschland, begann ich als Unternehmensberater zu arbeiten, und im Rahmen dieser Tätigkeit hatte ich mehrfach in den USA zu tun. Dabei lernte ich in Midland, Texas, den Unternehmer George Locker kennen, der mit seinen Firmen erfolgreich in der Öl- und Gasindustrie tätig war. Mit ihm zusammen gründete ich Mitte August 1976 sowohl in Deutschland als auch in den USA Firmen, die vorrangig Gasfonds auflegten und die zum Grundstein der BVT Unternehmensgruppe wurden. Im Jahr darauf stieg ich mit einer weiteren Firmenneugründung auch in die Immobilienfinanzierung ein.

Richtig interessant wurde es dann, als ich mit dem Mini-Warehouse-Weltmarktführer Public Storage, Inc. zusammen Projektentwicklungsfonds zu initiieren begann. Das war das erste Mal, dass deutschen Investoren in Form eines Geschlossenen Fonds eine Anlagemöglichkeit geboten wurde, über die sie ab dem Beginn der Wertschöpfung einer Immobilie mit partizipieren. Der erste Fonds war so schnell platziert, dass wir gar nicht schnell genug mit dem zweiten hinterherkamen.

Letztlich habe ich so den Beruf gefunden, der mir nicht nur Spaß und Freude bereitet, sondern michauch bis heute voll ausfüllt. Konsequenterweise habe ich den Familienbesitz dann nach einigen Jahren auf meinen jüngeren Bruder übertragen.“

So lautet der Original-Ton des Innovators der Sachwertfinanzierung auf meine Frage, wie es losging. Am 14.09.1980, also gerade mal vier Jahre nach Gründung, war ein Artikel in der „Welt am Sonntag“ zu lesen mit der Überschrift „Nur das Lagerhaus ist mini, die Rendite nicht.“ Der Public Storage Fund II wurde darin positiv beschrieben. Daumen hoch, urteilte die Zeitung. Ich war damals Kolumnist der WamS und beschrieb in meiner „Daumen“-Serie meine Meinung zu Anlagevorschlägen. Zwei Jahre später, am 1. November, erhielt die BVT mit ihren „Public Storage Fonds IV“ zum ersten Mal in der Geschichte der Kapitalanlagebranche die bestmögliche Fondsbewertung der Rating-Agentur G.U.B. ein Dreifach-Plus. BVT hat in den Jahren danach diese Beurteilung gerechtfertigt.

Von Scharfenberg: „Innerhalb der vergangenen 40 Jahre hat BVT ein Gesamtinvestitionsvolumen von über 5,5 Milliarden Euro erreicht, fast 200 Fonds aufgelegt und über 70.000 Anleger überzeugen können. BVT hat sich dabei zum Ziel gesetzt, vorhandenes Vermögen zu wahren und solide zu mehren. So erwirtschafteten die in den letzten Jahren aufgelösten rund 30 US Immobilienbeteiligungen eine durchschnittliche Rendite (IRR) von 8,8 Prozent. 2014 lagen die durchschnittlichen Auszahlungen aller aktiven BVT-Beteiligungen bei 15,5 Prozent. Insgesamt konnte BVT damit die Krisen der vergangenen Jahre durch solides Management erfolgreich meistern. Gerade für private Asset-Manager hat sich gezeigt, dass eine transparente und seriöse Geschäftspolitik für den langfristigen Erfolg unerlässlich ist.“

So beschreibt die BVT in einer Hausmitteilung diese Zeit. Von Scharfenberg hat seit BVT-Gründung ein gutes Gespür für intelligente, richtungsweisende Fondskonzepte bewiesen. Neben der erstmaligen Präsentation eines US-Minilagerhauses in Deutschland folgte die ganze Breite des US-Immobilien-Marktes: Landspekulation, Wohnimmobilien, Landwirtschaft, Developments, Büroflächen. Die BVT musste durch die heftige Immobilienkrise und die Wirtschaftsflaute der 80er Jahre. Es ging nicht alles gut, was HvS (so nennen ihn Kollegen und Freunde) an den Markt brachte, aber es ging nichts schief. Totalverluste mussten die BVT- Zeichner nicht erleiden. Auch nicht bei den anderen BVT-Kategorien: Energie, Private Equity …

Gefragt, ob es ein Rezept für diese unternehmerischen Leistungen gibt, kommt von HvS ein klares Nein, denn ein Vielleicht … und dann: „Wir waren gezwungen, neue Wege zu gehen …“, gefolgt von „Ich hatte einfach Glück …“, „Gute Partner, ja, gute Partner, das war besonders wichtig.“

Von Scharfenberg habe ich als nimmermüden, rastlosen Macher erlebt. Ich habe ihn in den 80er-Jahren oft in den USA bei Reisen begleitet. Schließlich musste ich als Beobachter der Anlagebranche, als Rating-Spezialist der G.U.B. und Kolumnist der „Welt am Sonntag“ Bescheid wissen über die Anlagemärkte dieser Branche. Von Scharfenberg hatte nie Geheimnisse. Ich lernte seine Geschäftspartner, vor allem den Public Storage-Gründer Wayne Hughes, gut kennen. Hughes hielt viel von HvS. Beide Herren verbindet Freundschaft. Zum Wohle der deutschen Anleger.

Welche unternehmerischen Ziele und Grundsätze waren Ihnen damals bei der Gründung wichtig?

Von Scharfenberg: „Ich kann mich noch ganz genau an den Moment erinnern, als ich im Oktober 1976 den allerersten Zeichnungsschein – er lautete über 20.000 D-Mark – in den Händen hielt. Natürlich habe ich mich darüber sehr gefreut und mich ungemein geehrt gefühlt, dass mir ein Dritter, der mich gar nicht so persönlich kannte, dieses Vertrauen entgegenbrachte. Daraus hat sich für mich der Ansporn und persönliche Grundsatz entwickelt, dieses mir anvertraute Geld gut anlegen zu wollen. Das hat sich von Anfang an in der Konzeption unserer Anlageprodukte niedergeschlagen. Doch nicht zu vergessen – wir standen anfangs mit unseren USA-Beteiligungsangeboten in Konkurrenz zu den am grauen Kapitalmarkt vorherrschenden Verlustzuweisungsmodellen mit einem sich daraus ergebenden deutlich geringen Eigenkapitaleinsatz. Bei unseren USA-Immobilien-Investments gab es keine derartigen steuerlichen Vorteile. Für alle damaligen Anbieter von US-Immobilienfonds galt es, die Vorkosten in einem wirtschaftlich vernünftigen und tragbaren Rahmen zu kalkulieren. Unsere von Anfang an solide Konzeption hat sicher dazu beigetragen, uns den Weg in zahlreiche Bankhäuser zu öffnen.

Ein ganz wesentlicher Grund dafür, dass Banken bereit waren mit uns als junger Firma zusammen zu arbeiten, lag vor allem aber daran, dass ich – abgesehen von den Public Storage Funds – in insgesamt über 100 unserer Fonds als persönlich haftender Gesellschafterbeziehungsweise „General Partner“ fungierte, also voll mit meinem ganzen Vermögen haftete. Diese Verantwortung honorierten insbesondere Privatbanken, kam sie doch häufig ihrer eigenen Struktur sehr nahe. Damit gelang es BVT bereits in den Anfangsjahren, als einer der wenigen Anbieter enger mit Banken zusammenzuarbeiten und dadurch ein erstklassiges Klientel als Kunden zu gewinnen. Viele dieser Familien betreuen wir noch heute."

Was hat Sie später dazu veranlasst, als Pionier in die Finanzierung „grüner“ Energieerzeugung einzusteigen?

Von Scharfenberg: „Zum einen besteht hierzu eine besondere Affinität, da unsere Familie bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts regenerative Energie in Form von Wasserkraft nutzt und bis heute als privates Energieversorgungsunternehmen (EVU) mehrere Städte und Dörfer in Nordhessen und Thüringen mit Strom versorgt. Anfang der 1980er-Jahre musste der Kanal zu unseren Turbinen komplett neu gebaut und vertieft sowie das Turbinenhaus renoviert werden.

Gerade solche Großinvestitionen im Energiesektor, die sich nur langfristig amortisieren, stellen kleinere EVUs vor Finanzierungsprobleme. In diesem Zusammenhang beschäftigte mich die Frage, ob sich solche Investitionen nicht auch über Geschlossene Fonds finanzieren ließen. Ein weiterer Denkanstoß hatte sich durch unsere Aktivitäten in den USA ergeben, wo ich mit Interesse verfolgt habe, dass nach der ersten großen Ölkrise 1973 der Staat Kalifornien 1976 ein quasi erstes Einspeisegesetz für Energie aus Windkraftanlagen verabschiedete, allerdings beschränkt auf 20 Jahre. Hinzu kam, dass in Deutschland mit Beginn der 1980er-Jahre eine zunehmende Sensibilisierung der Bevölkerung für umweltfreundliche und umweltentlastende Energieerzeugung aufkam, unter anderem durch die Grünen als neue Partei, und damit das Interesse, solche Projekte zu finanzieren. Damit war die Saat für eine neue BVT-Anlageklasse gelegt. Meilensteine bilden unser erster fondsfinanzierter Windpark Ende der 1980er-Jahre mit 50 Windkraftanlagen, aber auch zahlreiche Heizkraftwerkefonds, die wir platziert haben und bis heute betreuen. Dahinter steht bis heute meine Überzeugung, dass sich Ökologie und Ökonomie nicht gegenseitig ausschließen müssen. Vor 20 Jahren hätten die großen Energieversorger noch jeden für verrückt erklärt, der ihnen prognostizierte, dass 2016 der Schwerpunkt ihres Kerngeschäfts auf regenerativen Technologien beruhen wird. So hat sich aus den Ideen der „ökologischen Spinner“, als die wir damals mit unseren Umweltprojekten galten, eine heute am Markt etablierte Assetklasse entwickelt, zu der BVT auch ihren Teil beitragen konnte. (DJ)

Der Beitrag ist zuerst erschienen in EXXECNEWS Ausgabe 18/2016.

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