ELTIFs – ein Erfolgsmodell für private Anleger? Der Versuch eines Nachweises
Ein Anlagekapital für Investitionen von 65 bis 70 Milliarden Euro bis Ende kommenden Jahres, prognostizierte das Analysehaus Scope für die ELTIFs, für die European Long Term Investment Funds. Bis 2024 waren ELTIFs eher professionellen und institutionellen Investoren als Anlagevehikel in Assetklassen wie Infrastruktur und Private Equity vorbehalten. Seit 2024 stehen ELTIFs auch dem breiten Anlegerpublikum für die Kapitalanlage außerhalb von Börsen offen – ein Mega-Markt für Privatanleger wurde erwartet. Nur – wie kommt der private Kapitalanleger zum ELTIF? Ganz einfach scheint es nicht zu sein.
Zunächst einmal die Frage, was ist ein ELTIF überhaupt?
ELTIFs investieren in Vermögenswerte, die nicht an Börsen gehandelt werden - in „Private Markets“ wie Private Equity, Private Debt, Erneuerbare Energien, Infrastruktur und Immobilien. Sie sind auf eine lange Anlagedauer ausgelegt (daher: „long term investment funds“), bieten aber Anlegern definierte Zeitfenster in diese Fonds ein- und auszusteigen. Und sie können überall in der Europäischen Union angeboten werden (daher: „european“). Die Registrierung in einem Land der Europäischen Union (meist: Luxemburg) reicht aus, um sie auch in anderen Ländern anbieten zu können. Es ist nur erforderlich, sie der jeweiligen nationalen Aufsichtsbehörde anzuzeigen.
Investments in „Private Markets“
„Investieren wie es bislang nur professionellen und institutionellen Investoren möglich war.“ Das war die Botschaft, als 2024 mit der in Kraft getretenen „ELTIF-2.0-Verordnung“ das Anlagemedium European Long Term Investment Fund (ELTIF) dem breiten Anlegerpublikum für „Private Markets“, Anlagen in Assetklassen außerhalb der Börsen wie Private Equity, Infrastruktur und Erneuerbare Energien zugänglich gemacht wurde. Solche Investments standen Privatanlegern auch schon vorher offen. Gedacht sei nur an Private-Equity- Fonds von Munich Private Equity oder von MIG Capital AG. Oder Fonds für Erneuerbare Energien von hep, Ökorenta oder reconcept.
Neu war aber, dass die globalen Big-Financial Players wie die BlackRocks, die JB Morgans, die Morgan Stanleys und andere nunmehr durch die ELTIFs EU-länderübergreifende Kapitalsammelbecken großen Ausmaßes mit risiko-gestreuten Investments in den einzelnen Assetklassen anbieten konnten. So hat beispielsweise der ELTIF „klimaVest“, der von der deutschen Commerzbank-Gruppe angeboten wird, ein Volumen von rund 1,7 Milliarden Euro. Die Scope-Prognose – 65 bis 70 Milliarden Volumen aller ELTIFs im kommenden Jahr – ist plausibel.
Wie kommt aber ein privater Kapitalanleger zu einer ELTIF-Beteiligung?
Meistens wohl über den eigenen Bankberater oder Finanz- und Vermögensverwalter. Der empfiehlt den ELTIF, der den Interessen des Anlegers entspricht, und stellt ihm auch alle Informationen wie die gesetzlich vorgeschriebenen Verkaufsunterlagen Prospekt und Basisinformationsblatt zu Verfügung. Zumindest im Idealfall.
ELTIF-Erstinformation: Finanzpresse
Wie aber geht der private Anleger bei der Suche nach einem passenden ELTIF auf eigene Faust los? Erste Informationen bekommt er über die Finanzpresse wie DFPA und EXXECNEWS und andere. Dort werden ELTIFs vorgestellt und beschrieben – eine Orientierungshilfe für den Anleger. Eine weitere Übersicht über ELTIFs bieten die privaten Datenbanken https://eltif.info und https://eltif.world. Beide Datenbanken vermitteln kompakt grundlegende Informationen zu ELTIFs wie Assetklasse, Mindestinvestment und Anlagestrategie. Für eine Anlageentscheidung stellen diese Informationen allerdings keine ausreichende Grundlage dar.
Den kompletten Überblick über ELTIFs bietet das ELTIF-Register bei der europäischen Wertpapierbehörde ESMA (European Securities and Markets Authority). Derzeit sind dort 277 zugelassene ELTIFs registriert. Nicht alle davon sind für das Angebot in Deutschland zugelassen, nicht alle sind für private Anleger offen. Auch dürfte das ESMA-Register den wenigsten privaten Anlegern bekannt sein. Und bei der Auswahl für eine Investition hilft es auch nicht weiter.
Die in Deutschland angebotenen ELTIFs sind bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erfasst. Über die Investmentfonds-Datenbank als „EU-/ausländische vertriebsberechtigte Fonds“ können sie eingesehen werden. Allerdings ist das zusammen mit allen anderen Fondsarten eine Liste mit 12.518 Einträgen, wovon auf ELTIFs nur 78 Einträge (Fonds und Unterfonds) entfallen. Auch die dortige Suche hilft dem privaten Anleger nicht wirklich weiter.
ELTIF-Recherche im Internet
Wie kommt also der Anleger weiter, wenn er einen für ihn möglicherweise passenden ELTIF identifiziert hat? Recherche am Computer – Namen eingeben. Und mit Glück landet der Anleger einen Volltreffer – beispielsweise beim ELTIF „klimaVest“: Da ist er direkt auf der Website des ELTIF mit allen erforderlichen Informationen und Unterlagen.
Anders wenn der Anleger auf die Websites der großen Investmentanbietern wie Amundi Asset Management, BlackRock, Neuberger Berman, Pictet Asset Management oder Partners Group geht. Da kann die Suche nach ELTIF-Unterlagen zeitaufwendig werden und oftmals ins Nichts verlaufen. Dies liegt zum einen an der großen Zahl der von diesen Unternehmen verwalteten Fonds, andererseits auch an der Komplexität ihrer Websites. Aber auch hier sind Verbesserungen zu erkennen: Über entsprechende Suchfunktionen wird zunehmend der Weg zum gesuchten ELTIF erleichtert.
Noch ist die Suche des Anlegers unverbindlich. Er will sich vorerst nur informieren. Dem werden allerdings einige Anbieter nicht gerecht: Ein schlechtes Beispiel ist der niederländische „Carbon Equity Access to Climate Tech Fund II“, bei dem eine Kontoeröffnung gefordert wird („Create account to access investment documents.“). Dieser ELTIF investiert in Venture Capital-, Private Equity – und Infrastrukturfonds, die eine klimawirksame Anlagestrategie aufweisen. Oder der französische „GFI France Valley Patrimoine“, der die Möglichkeit der Investition in ein diversifiziertes Portfolio von mehr als 200 französischen Wäldern bietet. Hier müssen Name, E-Mail-Adresse und Telefonnummer zwingend angegeben werden – plus die voraussichtliche Anlagesumme.
Barrierefreie Anlegerinformation
Dagegen ist die barrierefreie Anlegerinformation ist der „AC One Planet“ geradezu exemplarisch. Auf seiner Website wird der Fonds klar beschrieben und über das Dropdown-Menü „Downloads“ stehen übersichtlich Prospekt, Basisinformationsblatt, Broschüren, Pressemitteilungen und Berichte zur Verfügung. Ähnliches gilt für die von der Hansainvest Lux S.A. verwalteten ELTIFs. Die Website der deutschen Hansainvest Hanseatische Investment GmbH, Hamburg, bietet auf der Homepage über das Feld „Fondswelt“ eine Übersicht aller verwalteter Fonds. Mit Eingabe eines Fondsnamens – beispielsweise „hep Solar Invest ELTIF“ – erscheint das Fondsporträt, ein Fondsprofil (Eckdaten) sowie die Download-Funktionen für den Verkaufsprospekt und das Basisinformationsblatt.
Gerade das Basisinformationsblatt soll Anleger „unmissverständlich“, also in klarer und eindeutiger Sprache (so die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin), über den ELTIF und seine Anlagestrategie informieren. Damit kommt dem Basisinformationsblatt eine größere Praxisbedeutung zu als dem Verkaufsprospekt, der meist über rund 100 Seiten hinweg gedrängte Information zur Verfügung stellt. Der Verkaufsprospekt des „Morgan Stanley Private Markets ELTIF“ schafft es sogar auf stattliche 376 Seiten. Wird wirklich erwartet, dass sich ein Privatanleger vor seiner Anlageentscheidung durch so viel Papier durcharbeiten soll?
Wenig aussagekräftig: Risikoindikatoren
Aber auch das Basisinformationsblatt wirft für Anleger Fragen auf. Nicht nachvollziehbar ist, warum bei gleicher Assetklasse der „Risikoindikator“ von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich gesetzt, das Risiko also unterschiedlich eingestuft wird. Eine Begründung fehlt. Ist ja auch etwas schwierig, wenn der Emittent das Anlagerisiko selbst einschätzen soll – zu hoch? zu niedrig? In beiden Fällen geht es gegen die eigenen Interessen: Zu niedrig kann vielleicht Haftungsansprüche auslösen. Zu hoch: Verprellt vielleicht Anleger. Nicht verwunderlich also, dass die Risikoeinschätzung bei ELTIFs auf einer Skala von ein bis sieben überwiegend bei „3“ und „4“ liegt – nach dem Motto: ein Risiko ist bei Kapitalanlagen immer vorhanden, aber es liegt im Mittelfeld.
Ein weiteres Hindernis: Die Klassifizierung nach Anteilsklassen, die auch eine Auswirkung auf die Angaben im Basisinformationsblatt – insbesondere bezüglich des prognostizierten Ergebnisses – hat. So gibt es beispielweise beim „Patrizia Infrastructure Invest“ 15 verschiedene Anteilsklassen – unterscheidend nach ausschüttend oder thesaurierend, für Privatanleger oder Professional, „clean“ bei Privatanlegern oder Professionals. Wer die Wahl hat, hat die Qual.
Nicht nachvollziehbar: Performance-Szenarien
Ähnlich auch bei den im Basisinformationsblatt enthaltenen „Performance-Szenarien“ – Stressszenario, pessimistisches Szenario, mittleres Szenario und optimistisches Szenario. Welche Parameter wurden jeweils verwendet, welche verändert? Eine nachvollziehbare Erläuterung fehlt. In den Verkaufsprospekten vor Inkrafttreten des Kapitalanlagegesetzbuches (KAGB) wurden verpflichtend „sensitivities“ erwartet - die klare Beschreibung, wie sich ändernde Annahmen auf das Anlageergebnis auswirken. Um für Anleger wirklich Transparenz bei ELTIF-Beteiligungen zu erreichen, ist hier noch reichlich Raum für Nachbesserungen gegeben.
Der Standardsatz beim Basisinformationsblatt trifft es auf den Punkt und gilt nicht nur für ELTIFs: „Sie sind im Begriff, ein Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann.“ Sollte doch im Anlegerinteresse (und im Platzierungsinteresse) einfach sein: Komplette Angebotsunterlagen mit verständlicher Erläuterung prominent auf den Anleger-Websites – barrierefrei – zu platzieren.
Nur dann werden ELTIF-Platzierungen bei Privatanlegern die Größenordnung erreichen, die gewünscht und erwartet werden – als Investitionskapital in Infrastruktur, Erneuerbare Energien und wirtschaftlichen Fortschritt durch Private Equity. (Leo J. Heinl)
In der kommenden Ausgabe veröffentlicht EXXECNEWS eine Übersicht über die aktuell in Deutschland angebotenen ELTIFs mit ihren wichtigsten Kennziffern – Risikoklassen, Mindestinvestment und Ergebniserwartung.
Der Beitrag ist zuerst in EXXECNEWS Ausgabe 04-2026 erschienen.