EXXECNEWS Schwerpunkt: Gewerbe-Immobilien
Sie sind das Rückgrat unserer Volkswirtschaft: deutsche Gewerbeimmobilien – Büros, Läden und Einkaufscentren, Industrieobjekte, Logistik- und Infrastrukturimmobilien. Das Auf und Ab der Konjunktur wirkt direkt auf den Wert gewerblicher Immobilien. Durch private und institutionelle Investoren entwickeln sie aber auch ein Eigenleben, stehen nach deren Erwartungen mal mehr, mal weniger in der Gunst der Anleger. Wo steht 2026 der Markt deutscher Gewerbeimmobilien? Welche Entwicklungen sollen private und institutionelle Investoren beachten? Dazu befragte EXXECNEWS 19 Experten für Gewerbeimmobilien. – Übrigens: Auch Sozialimmobilien wie Senioren- und Pflegeheime oder Gesundheitszentren zählen zu den Gewerbeimmobilien. Diesen Sektor stellt EXXECNEWS gesondert im September in einem Schwerpunkt dar.
Büro- und Einzelhandelsimmobilien sind in den vergangenen Jahren deutlich unter Druck geraten. Martin Lippmann, Head of Real Estate Research Europe beim Deutsche-Bank-Vermögensverwalter DWS, sieht eine langsame Erholung – wenn auch gebremst durch die anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten.
Den Status quo der Büromärkte in den fünf deutschen Top-Märkten – Berlin, München, Hamburg, Frankfurt und Düsseldorf – hat Hanjo Theiss, Head of Office Agency Germany bei Cushman & Wakefield, unter die Lupe genommen. Die Standorte teilen unterschiedliche Schicksale: Berlin an der Spitze übertrifft sich selbst.
Allen Unkenrufen zum Trotz wird das Büro eine Zukunft haben, sagt Christian Drake, Geschäftsführer der Paribus Invest GmbH. Der Büromarkt stehe vor einer Neuausrichtung, nicht vor dem Rückgang. Flexible Flächen, Kollaborationsbereiche und hybride Nutzungskonzepte, eingebettet in attraktive urbane Quartiere sind gefragt .
Ähnlich sieht es Aydin Karaduman, CEO der IC Immobilien Gruppe: „Gefragt sind Flächen, die Austausch ermöglichen, Unternehmenskultur tragen und gleichzeitig effizient betreibbar sind.“
In sekundären Standorten und bei funktionalen oder lagebedingten Schwächen rücke die Weiterentwicklung, auch durch Alternativnutzung in den Fokus, erklärt Holger Hosang, Managing Partner, Transaction & Asset Management von Sonar Real Estate. Wie und wo auch eine Überführung in ein Wohnkonzept erfolgreich sein kann, erläutert er in seinem Beitrag.
Anna Maria Losos, Head of Coworking Business bei Beehive, unterstreicht die Einschätzung von Drake und Karaduman: Das Büro sei kein Ort der Präsenzpflicht mehr, sondern ein Ort der Interaktion, Identifikation und Produktivität – eingebettet in gemischte Quartiere.
Wenn Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen über eine Cloud-Plattform vernetzt werden, die Verbrauchsdaten zentral sammelt und KI-gestützt auswertet, wird eine deutliche Kostenreduktion ermöglicht, sagt Johannes Fütterer, Gründer und CEO der aedifion. Die digitale Optimierung werde ein zentraler Bestandteil strategischer Asset-Steuerung.
Die Bundeshauptstadt Berlin ist schon aufgrund ihrer Größe der wichtigste Gewerbeimmobilienmarkt Deutschlands. Aissatou Frisch-Baldé, Leiterin gewerbliche Vermietung, und Frederic Weber, Head of Investment bei E&V Commercial Berlin, erkennen deutliche Unterschiede in den drei Märkten Büro, Handel und Logistik.
Fremdkapitalgeber müssen daher zunehmend als operative Akteure auftreten. Welche neuen Herausforderungen auf sie zukommen, beschreibt Stefan Dölker, Managing Director der Silverton Group, Frankfurt.
Die Partnerschaft mit erfahrenen, lokalen Investment- und Asset Managern werde zum zentralen Rendite- und Risikofaktor, meint Ronny Pifko, CEO der BlueRock Group AG, Zürich. Bewährt hätten sich Joint-Venture- oder Plattformstrukturen, die die jeweiligen Stärken konsequent bündeln.
Der deutsche Logistikimmobilienmarkt stehe im Spannungsfeld zwischen geopolitischer Konflikte mit steigenden Transportkosten und Zollthemen einerseits und der anhaltenden Dynamik des E-Commerce. Dies eröffne jedoch substanzielle Chancen für langfristig orientierte Investoren, sagt Camila Malzkorn, Head of Transaction Management Logistics DACH bei der Redevco BV.
Während große Logistikzentren und Büroobjekte viel Aufmerksamkeit erhalten, dienen vor allem Light-Industrial- und Produktionsimmobilien der industriellen Wertschöpfung, sagt Timo Hielscher, Managing Director bei CTP Deutschland.
Light-Industrial-Flächen benötigen auch Werkstätten und kleine Gewerbebetriebe, Handwerker und Manufakturen, die in urbane Quartiere nach dem „Bento-Prinzip“ entwickelt werden könnten. Was er unter dem „Bento-Prinzip“ versteht, erläutert Dr. Karim Rochdi, Gründer und Geschäftsführer der Aventos Group, Berlin und München.
Einen detaillierten Überblick über den Markt der Einzelhandelsimmobilien, gibt Paschalis Christodoulidis, Prokurist und Leiter Vertrieb Privatkunden bei der Hahn-Gruppe, Bergisch Gladbach. Für ihn ist diese Assetklasse das, was sie seit Jahren ist, nämlich ein verlässlicher Stabilitätsanker.
Einzelhandelsimmobilien werden auch in den kommenden Jahren einen festen Platz auf dem Anlegertableau haben, sagt Andreas Siebert, Head of Retail Investment Germany bei Cushman & Wakefield. Jüngere Formen des Einzelhandels drängen in den Vordergrund: Designer Outlet Center.
Der Markt für Shopping-Center stabilisiere sich wieder, meint Lars Jähnichen, Geschäftsführer der IPH Gruppe, München. Allerdings würden sie nicht mehr als reine Handelsimmobilien funktionieren, sondern nur in einem belastbaren Gesamtfüge aus Handel, Gastronomie, Gesundheit und Freizeit.
Hotels rücken wieder in den Fokus von Investoren: Die Nachfrage sei robust, sagt Christoph Flügel, Mitglied des Vorstands der ArbireoCapital AG, Frankfurt. Über den wirtschaftlichen Erfolg entscheide nicht allein die Qualität des Objektes und seiner Lage, sondern insbesondere die Fähigkeit des Betreibers anpassungsfähig zu agieren.
Hotelinvestitionen in den nordischen Ländern rückten zunehmend in den Fokus institutioneller Investoren, berichtet Thomas Laakso, Partner und zuständig für Hotelinvestitionen bei CapMan Real Estate. Die aktuellen Rahmenbedingungen sprächen für Hotel in den Nordics. (LJH)