Fokus auf Sicherheit und Verteidigung: Rüstungsfonds im Aufwind
Obwohl das Produktsegment noch so jung ist, übertrifft es in seiner Entwicklung bereits die Wachstumsraten mancher etablierter Anlageklassen: Themenfonds mit Fokus auf Sicherheit und Verteidigung. Während solche Fonds vor wenigen Jahren noch als Nischenprodukte galten, werden sie immer häufiger fester Bestandteil vieler institutioneller und privater Portfolios.
Wenig verwunderlich vor dem Hintergrund, dass die weltweiten Militärausgaben im Jahr 2024 mit 2,72 Billionen US-Dollar laut Forschungsinstitut Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) einen Rekordwert erreichten. Dies entspricht einem Anstieg von 9,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und markiert den größten jährlichen Zuwachs seit dem Ende des Kalten Krieges. Mittlerweile können Anleger aus 20 Fonds auswählen, die in Aktien von Rüstungsunternehmen investieren. Die meisten Produkte sind passive ETF, fünf werden aktiv gemanagt. Die Fonds verwalten laut Studie des Analyseunternehmens Scope ein Vermögen von insgesamt 13,3 Milliarden Euro.
Erst im März 2023 kam der erste Rüstungsfonds auf den Markt. Seitdem hat sich das Angebot deutlich erweitert: Zunächst wurden bis Ende Februar 2025 acht Rüstungsfonds mit globaler Ausrichtung aufgelegt. Darunter der „VanEck Defense ETF“ und der „HANetf Future of Defense ETF“, die sich laut Scope mit einem verwalteten Vermögen von 5,8 Milliarden Euro und 2,4 Milliarden Euro als Schwergewichte etabliert haben. In den sechs Monaten von Ende Februar bis Ende August 2025 wurden zwölf weitere Fonds aufgelegt – elf davon mit Schwerpunkt auf europäischen Verteidigungsunternehmen, einer mit Fokus auf den indopazifischen Raum. Ins Auge falle der „WisdomTree Europe Defense ETF“, der sich als erster ETF mit Europa-Ausrichtung positionierte und innerhalb weniger Monate ein Volumen von drei Milliarden Euro erreicht hat. Unter den aktiv gemanagten Fonds fallen laut Analyse der „Deka-Security and Defense“ und der „LBBW Sicher Leben“ mit Volumina von rund 330 Millionen Euro und 120 Millionen Euro als größte Produkte auf.
Wie bei thematischen Investmentstrategien üblich, kommt es bei den Top-10-Positionen der Portfolios zu großen Überschneidungen – insbesondere bei Unternehmen mit hoher thematischer Relevanz und Pure-Play-Charakter. Aktuell finden sich sechs Unternehmen – Rheinmetall, BAE Systems, Rolls-Royce, Thales, Saab und Leonardo – in den Top 10 von mehr als der Hälfte der analysierten Rüstungsfonds. Des Weiteren sind neun Unternehmen – Safran, Airbus, RTX, Palantir, GE Aerospace, Hensoldt, Boeing, Babcock International und Kongsberg Gruppen – bei 20 Prozent bis 50 Prozent der analysierten Rüstungsfonds in den Top 10.
Einen klassischen „Rüstungsfonds“ gibt es nicht
Trotz der Überschneidungen zeige sich: Den klassischen „Rüstungsfonds“ gibt es nicht. Die Strategien innerhalb des Segments unterscheiden sich laut Analyse deutlich – sei es hinsichtlich regionaler Ausrichtung, Titelselektion oder technologischer Schwerpunkte. Einige Produkte setzen auf pure Rüstungstitel, andere kombinieren Verteidigung mit Cybersecurity, Luft- und Raumfahrt oder Sicherheitsinfrastruktur. Aufgrund der kurzen Historie der Rüstungsfonds liegen nur eingeschränkt Kennzahlen vor. Denn kein Produkt in diesem Segment verfügt über eine dreijährige Historie. Mit dem „VanEck Defense UCITS ETF“, dem „HANetf Future of Defence ETF“ und dem „iShares Global Aerospace & Defence ETF“ stehen zumindest drei Fonds zur Verfügung, deren Performance über einen Zeitraum von zwölf Monaten vergleichbar ist. Mit Wertentwicklungen von 62,5 Prozent, 49,2 Prozent und 35,1 Prozent (Stand: 2. September 2025) konnten sie den MSCI World deutlich hinter sich lassen, der im gleichen Zeitraum nur um 8,5 Prozent zulegte.
Doch so attraktiv die Renditen von Rüstungsfonds auch erscheinen mögen, sie werfen unweigerlich eine andere Frage auf: Wie vereinbar sind Investitionen in Waffen mit ethischen Grundsätzen - und dem Trend zu nachhaltigem Investieren? Diese Frage wird angesichts der durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine veränderten Sicherheitslage intensiv diskutiert, so merkt das NKI – Institut für nachhaltige Kapitalanlagen mit Sitz in München an.
Fakt ist, dass der Ausschluss von Rüstungsunternehmen im Bereich der nachhaltigen Kapitalanlage traditionell weit verbreitet ist. Dabei wird in aller Regel zwischen geächteten beziehungsweise kontroversen und konventionellen Waffen unterschieden. Zur ersten Kategorie gehören Waffen, deren Herstellung, Lagerung, Weitergabe und Einsatz durch internationale Konventionen verboten ist. Dies gilt aktuell für ABC-Waffen, Antipersonenminen und Streumunition. Hintergrund: Die Staatengemeinschaft stuft die Auswirkungen auf Menschen, insbesondere Zivilisten, und Umwelt als so gravierend ein, dass ein Einsatz unter Menschenrechtsaspekten als nicht gerechtfertigt angesehen wird. Zu den kontroversen Waffen zählen solche, die bislang nicht durch Abkommen geächtet werden, die aber eine den geächteten Waffen vergleichbare Wirkung haben. Häufig genannte Beispiele sind Uranmunition und weißer Phosphor (Napalm).
Geächtete Waffen mit Ausschluss bei 99 Prozent der Investoren
Nach Zahlen des FNG-Marktberichts 2025 schließen aktuell 99 Prozent der befragten Investoren geächtete Waffen von der Kapitalanlage aus. Der Ausschluss bezieht sich dabei in der Regel auf die Hersteller solcher Waffen, oft stehen auch Hersteller wichtiger Waffenkomponenten auf der schwarzen Liste. Zum Umgang mit kontroversen Waffen liegen keine entsprechenden Daten vor. Mit 72 Prozent liegt der Anteil der Investoren, die sämtliche Waffen – und damit auch konventionelle Waffen – von der Kapitalanlage ausschließen, deutlich niedriger. Während auch Fonds geächtete Waffen in der Regel umfassend ausschließen, werden beim Umgang mit nicht-geächteten Rüstungsgütern vorrangig drei Ansätze verfolgt: Einige Anbieter bleiben beim Ausschluss von Rüstungsunternehmen, andere arbeiten mit Umsatzgrenzen, um zumindest reine Rüstungsunternehmen von der Kapitalanlage auszuschließen. Die dritte Gruppe verzichtet vollständig auf Begrenzungen und investiert – häufig entsprechend der genutzten Benchmark – in Rüstungsunternehmen. Hierzu gehören auch Nachhaltigkeitsfonds. Auch bei den Motiven der Anleger können verschiedene Ansätze unterschieden werden. So wollten Anleger zum einen an der guten Performance der Aktien von Rüstungsunternehmen partizipieren. Zum anderen werde es aber auch Investoren geben, die in die Sicherheit des politischen und wirtschaftlichen Systems investieren wollen, in dem sie agieren und leben. Dieses Motiv können auch nachhaltige Investoren verfolgen. Gerade für sicherheitsorientierte Investoren gibt es Alternativen zu Rüstungsunternehmen, mit denen sie in die Sicherheit investieren können. Hierzu gehören Investments in die Energie-Infrastruktur, zum Beispiel in die dezentrale, erneuerbare Energieversorgung.
Die Frage, ob Rüstungsunternehmen in nachhaltige Kapitalanlagen passen, bleibe ein Spannungsfeld zwischen ethischen, sicherheitspolitischen und finanziellen Erwägungen: Geächtete Waffen sollten konsequent ausgeschlossen werden, konventionelle Waffen erforderten Transparenz, und Investoren könnten zunehmend auf nachhaltigere Alternativen zur Stärkung von Sicherheit setzen.
Insgesamt betrachtet zeigen Rüstungsfonds, dass sich auch in einem jungen Segment beachtliche Renditen erzielen lassen. Anleger müssen letztlich wie immer für sich selbst entscheiden, wie sie den Zielkonflikt zwischen Gewinnstreben und ethischer Verantwortung gewichten. (DFPA/Melanie Bobrich) ◆
Der Beitrag ist zuerst in EXXECNEWS Ausgabe 20 erschienen.