Geschlossene Fonds (AIF): Das Jahr 2025 in Zahlen
Ratingagentur Scope berichtet – mit Potenzial der Missinterpretation
Die Ratingagentur Scope hat zusammengefasst und veröffentlicht, wie sich das platzierte Emissionsvolumen für geschlossene alternative Investmentfonds (AIF) für Privatanleger im vergangenen Jahr entwickelt hat. Das Ergebnis: Die Zeichnungsvolumina der angebotenen Fonds sind im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr drastisch zurückgegangen. So scheint es. EXXECNEWS ist den Zahlen nachgegangen und hat sie mit den Antworten von Marktkennern abgeglichen. Eine besondere Stellungnahme hat Klaus Wolfermann, Verbandschef des VKS, Verband der Kapitalverwaltungsgesellschaften und Sachwertanbieter abgegeben. Dessen Kommentar lesen Sie hier.
Die gute Nachricht zu Beginn: Über die fünf platzierungsstärksten Anbieter wurden 2025 insgesamt 244,4 Millionen Euro Anlegerkapital in alternative Investmentfonds (AIF) eingezahlt – rund 56 Prozent Platzierungsvolumen des vergangenen Jahres, so Scope in ihrer aktuellen Analyse. Und bestätigt damit die positive Markteinschätzung der Marktführer gegenüber EXXECNEWS. Bei ihnen ist von Markt-Tristesse keine Spur zu erkennen.
Nico Auel, Vorstand der Munich Private Equity Fund AG (MPE), die Private-Equity-Beteiligungen anbietet, sagte kurz und knapp: „Wir sind mit dem Platzierungsverlauf im Jahr 2025 sehr zufrieden.“ MPE führt die Scope-Liste der „Top-Five“ mit einem Platzierungsvolumen von 70 Millionen Euro an.
Auf Platz zwei der Liste landete die Hahn-Gruppe aus Bergisch Gladbach, die auf Einzelhandelsimmobilien spezialisiert ist. „Wir haben im vergangenen Jahr eine neue Bestmarke im Vertrieb von Publikums-AIF für vermögende Privatkunden und Stiftungen erreicht“, erklärte Paschalis Christodoulidis gegenüber EXXECNEWS. „Mit zwei Publikums-AIF und einem ‚§ 6b-Fonds‘ wurden insgesamt rund 70 Millionen Euro Eigenkapital eingeworben. Die Rekordmarke des Vorjahres von 45 Millionen Euro konnte deutlich übertroffen werden.“ So die Hahn-Gruppe in ihrer Bilanz-Pressemitteilung von Ende Februar.
Platz drei der Scope-Hitliste sicherte sich die Frankfurter US-Treuhand mit rund 55 Millionen US-Dollar (bei Scope umgerechnet in 49,9 Millionen Euro). Zurückhaltend und fast bescheiden äußerte sich Volker Arndt gegenüber EXXECNEWS: „Angesichts der Nachrichtenlage rund um US-Büroimmobilien sind wir mit der Platzierung zufrieden. Auch in Bezug auf die langfristige Entwicklung unseres Hauses sind wir zufrieden.“
Nach längerer Abstinenz bei der Platzierung von Publikums-AIF katapultierte sich die ILG Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH, München, mit ihrem „Beteiligungsfonds 45“, der in Einzelhandelsimmobilien investiert, in die „Scope-Top-Five“.
Eine nüchterne Scope-Bilanz
So erfolgreich auch diese Unternehmen waren, für Publikums-AIF insgesamt zieht Scope-Analystin Stephanie Lebert eine nüchterne Bilanz: ein stark eingebrochenes Neuangebot und rückläufige Platzierungszahlen.
Gerade zehn Publikums-AIF wurden 2025 von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zum Vertrieb zugelassen – zehn Fonds weniger als im Jahr vorher. Das prospektierte Angebotsvolumen 2025 lag mit 369 Millionen Euro um 593 Millionen Euro niedriger als 2024.
Das tatsächlich in geschlossene Publikums-AIF platzierte Eigenkapital lag 2025 mit 438 Millionen Euro um 134 Millionen Euro niedriger als 2024, was einem Rückgang um 23 Prozent entspricht. Im Vergleich: 2022 investierten Anleger rund 1,2 Milliarden Euro. Im Jahr 2023 waren es 683 Millionen Euro.
Scope-Gründe für den Platzierungsrückgang
Hauptgrund für den Rückgang des Platzierungsvolumens sei die anhaltende Zurückhaltung von privaten Anlegern aufgrund der relativ hohen Attraktivität festverzinslicher Anlageformen, so Scope. Dazu käme die schwierige Situation an den Immobilienmärkten, die dieses bislang dominierende Segment schwächt. Auch stünde den Anlegern ein immer größer werdendes Angebot European Long Term Investment Funds (ELTIFs) zur Verfügung. Negative Meldungen zu Insolvenzen in den vergangenen Monaten und Jahren würden zusätzlich zur Verunsicherung der Anleger beitragen.
Schwächelnde Immobilienmärkte als Ursache für den Platzierungsrückgang anzusehen, überzeugt nicht. Scope weist selbst darauf hin, dass es sich bei allen zehn in 2025 neu zugelassenen Publikums-AIF um Immobilienfonds gehandelt habe. Auch habe „die nach wie vor dominierende Assetklasse Immobilien“, so Scope, mit 305 Millionen Euro rund 70 Prozent des 2025 platzierten Eigenkapitals auf sich vereinen können. Nach längerer Abstinenz bei Publikums-AIF kam die zum Corestone-Konzern gehörende Hannover Leasing wieder an den Markt – mit einem Immobilienfonds. Auch der Newcomer am Markt, die Pangaea Life Capital Partners AG, setzt auf Immobilien – auf US-Immobilien. „Wir sind überzeugt, dass geschlossene AIF eine klare Daseinsberechtigung haben und gerade in unsicheren Zeiten eine gute Möglichkeit zur Portfoliodiversifikation sein können“, sagt Daniel Regensburger, Co-CEO der Pangaea Life Capital Partners.
ELTIFs noch keine Konkurrenz für AIF
Ob die noch für Publikumsinvestments noch junge Anlageform ELTIF nachhaltige Auswirkung auf die Platzierung von Publikums-AIF haben wird, ist noch nicht abzusehen. Allerdings, das hat 2025 bereits gezeigt, haben sich bislang AIF-platzierungsstarke Anbieter wie Patrizia GrundInvest und hep solar verstärkt dieser Anlageform zugewandt. „Wir haben die Grundlage geschaffen, um 2026 mit dem hep solar Invest ELTIF ein zukunftsweisendes Produkt zu platzieren“, betont Oliver Lang, Leading Expert Business Development Sales Hep solar.
Ebenfalls platzierungsstarke Anbieter wie die Kölner Jamestown US-Immobilien GmbH oder die Frankfurter Habona-Gruppe sind mit neuen Angeboten erst spät im Jahr in den Vertrieb gegangen – hohe Platzierungszahlen 2025 können daher bei diesen Fonds noch nicht erwartet werden.
Ein weiterer Effekt ist die Verlagerung von Publikums-AIF zu Spezial-AIF für semi-professionelle und institutionelle Anleger – so bei der Hamburger Paribus-Gruppe mit ihrem „Paribus Wohnimmobilien Deutschland 1“. Oder zur Auflegung von Bonds, wie bei der Düsseldorfer Dr. Peters Asset Finance: „Wir haben im Jahr 2021 damit begonnen, neben unserem Fondsvertrieb ein Wertpapiergeschäft aufzubauen. Mittlerweile platzieren wir über dieses größere Volumina als im Fondsbereich. Im vergangenen Geschäftsjahr haben wir über unsere Fondsangebote ein Kommanditkapitalvolumen von rund zehn Millionen Euro einwerben können, während unser Wertpapiergeschäft rund 22 Millionen Euro zum Gesamtergebnis im Dr. Peters-Vertrieb beitragen konnte“, sagt Sebastian Podwojewski, Director der Dr. Peters Holding.
Optimistischer Ausblick auf 2026
Auch Scope schaut optimistisch in die Zukunft des Marktes für geschlossene Publikums-AIF. Für 2026 erwartet Scope, dass die Emissionsaktivitäten der geschlossenen Publikums-AIF wieder oberhalb des Niveaus des Jahres 2025, aber unterhalb des Jahres 2024 liegen werden. Mindestens folgende Asset Manager wollen im Jahr 2026 geschlossene Publikums-AIF auflegen: BVT, Dr. Peters, Hahn-Gruppe, HTB-Gruppe, Jamestown, MPE, Ökorenta, Patrizia GrundInvest und die US Treuhand. Nach aktuellem Stand könnte das geplante Eigenkapitalvolumen dieser Fonds zwischen 400 und 600 Millionen Euro liegen.
Der Beitrag ist zuerst in EXXECNEWS Ausgabe 06 erschienen.