Jackson Hole: Zentralbanken müssen zuerst die Inflation bekämpfen

Jackson Hole Economic Symposium 2022
Jackson Hole Economic Symposium 2022

Vom 25. bis zum 27. August 2022 veranstaltet die Federal Reserve Bank von Kansas City, eine von 12 regionalen Zentralbanken innerhalb des US-Notenbanksystems, ihr 45. Economic Policy Symposium in Jackson Hole (Wyoming). Im Fokus der Konferenz steht in diesem Jahr das Thema „Reassessing Constraints on the Economy and Policy“. In Jackson Hole treffen sich einmal jährlich rund 120 Zentralbanker, Finanzmarktteilnehmer, Politiker, Wirtschaftswissenschaftler und Journalisten aus aller Welt zum Gedankenaustausch.

Jens Franck, Leiter Portfoliomanagement beim Hamburger Fixed-Income-Spezialisten nordIX, kommentiert die anstehende Konferenz wie folgt: „Mit Spannung wird die Rede von Fed-Chef Jerome Powell am Freitag vor dem Hintergrund der aktuell weiter anziehenden Inflation und gleichzeitig sich eintrübenden Wirtschaftsaussichten erwartet. Gerade nach der letzten Sitzung der Fed Ende Juli mit im Kern eher zuversichtlichen Aussichten im Hinblick auf die weitere Zinserhöhungsdynamik werden jetzt konkretisierende, eventuell gegenteilige Aussagen zur aktuellen US-amerikanischen Geldpolitik erwartet. Die letzten Inflationszahlen dürften wieder etwas „Wasser in den Wein“ gießen und den Handlungsdruck der Fed in Richtung höherer Leitzinsen mit einer Zunahme um 50-75 Basispunkte deutlich stärker werden lassen. Aus diesem Grund und in Anbetracht der gegenwärtigen Kapitalmarktvolatilität werden Investoren die Konferenz genauestens verfolgen. Dennoch gilt es zu bedenken, dass die nächste Fed-Sitzung erst Ende September stattfindet. Bis dahin können kommende Wirtschaftsdaten die Erwartungshaltung in beide Richtungen treiben und für Marktvolatilität sorgen.

Wir glauben nicht, dass es sich Powell leisten kann, die Öffentlichkeit im Ungewissen zurückzulassen. Er wird sich auf die anstehenden Daten zu Inflation, Arbeitsmärkten, BIP und Konsumentenverhalten berufen, gleichermaßen aber den Märkten eine entschlossene Geldpolitik präsentieren, die die Inflationsbekämpfung zum aktuell oberen Ziel erklärt hat.“

Kaspar Hense, Senior Portfolio Manager bei BlueBay Asset Management, erläutert, was die nächsten Schritte der Zentralbanken sein müssen und auf welche unliebsamen Nebenwirkungen hoher Inflation sich die Verbraucher einstellen sollten: „Es wird erwartet, dass Jerome Powell bei seiner heutigen Rede in Jackson Hole eher eine den Falken zuneigende Position einnehmen wird. Generell werden die Zentralbanken aber abwarten und auf die Daten schauen. Leider wissen wir bereits, dass die Inflation in Europa und vor allem im Vereinigten Königreich steigen wird. Die von diesen Daten abhängigen Zentralbanken werden also gezwungen sein, die Zinsen offensiv zu erhöhen.

Wir gehen überdies davon aus, dass Isabel Schnabels heutige Rede nicht anders ausfällt als die von letzter Woche, aber sie wird weiter eine falkenhafte Ausrichtung haben. Dennoch denken wir, dass die Europäische Zentralbank – insbesondere Frau Schnabel – das Risiko einer Rezession unterschätzt und dass es in dem aktuellen Inflationsumfeld für sie keinen Handlungspielraum gibt, ihre Haltung zu ändern. Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass wir uns in einem stagflationären Umfeld befinden, in dem zunächst die Inflation gesenkt werden muss, bevor über eine Lockerung der Geldpolitik diskutiert werden kann.

Wir haben in den letzten Jahrzehnten gesehen, dass das nominale BIP im Vergleich zum realen BIP recht stabil ist, so dass bei einer sehr hohen Inflation – wie sie beispielsweise in den 70er Jahren herrschte – niedrige reale Erträge und geringes oder sogar negatives Wachstum eine Nebenwirkung der hohen Inflation sind. Das ist, was wir auch hier erwarten. Und der Druck auf das real verfügbare Einkommen wird dazu führen, dass der Konsum und das Wachstum künftig negativ ausfallen werden.

Um die Inflation zu senken, müssen die Zentralbanken zunächst auf die Daten reagieren und es ist noch zu früh, um das außer Acht zu lassen. Es ist zwar sinnvoll, dass sich die Kurven abflachen und umkehren, aber die Zentralbanken müssen dennoch zuerst die Inflation bekämpfen. Und das geht dann mit höheren Hypothekenzinsen einher, was ein weiterer Schlag für die Verbraucher sein wird.“

Luke Bartholomew, Senior Economist bei abrdn, kommentiert die bevorstehende Rede von Jerome Powell wie folgt: „Die Fed hat in den letzten Jahren versucht, die Bedeutung von Jackson Hole als marktbeeinflussendes Ereignis herunterzuspielen. Eine Rede des Fed-Vorsitzenden Powell wird jedoch immer von Bedeutung sein, und es scheint, dass die diesjährige Rede zu einem besonders wichtigen Zeitpunkt für den Markt kommt. In seiner Erklärung vom letzten Jahr nannte Powell fünf Gründe, warum er davon ausgeht, dass die hohe Inflation nur vorübergehend ist. Es ist davon auszugehen, dass er diese Botschaft in diesem Jahr nicht wiederholen wird.

In der Tat könnte seine Rede ausdrücklich ein ‚mea culpa‘ zu den Prognosen der Fed im Allgemeinen beinhalten, um zu zeigen, was die Fed in diesem Jahr über die Inflation gelernt hat. Powell wird wahrscheinlich betonen, dass die Politik noch einen weiten Weg vor sich hat, bevor die Fed sich sicher sein kann, dass sie die Wende zur Wiederherstellung der Preisstabilität endgültig geschafft hat. Dies ist wichtig, denn der Markt hat sich in letzter Zeit so verhalten, als ob die Fed von ihrer restriktiven Haltung abgewichen wäre. Es ist schwer zu glauben, dass sich die Fed-Führung damit wohlfühlt, dass die finanziellen Bedingungen nach dem letzten Monat viel akkommodierender geworden sind, und so wird Powell diese Rede als Gelegenheit nutzen, um gegen die in letzter Zeit aufgekommene, eher lockere Auslegung der Fed-Politik anzugehen. Sollte dies nicht der Fall sein, werden die Märkte dies als grünes Licht für einen weiteren Anstieg der Risikoaktiva werten, was wahrscheinlich dazu führen wird, dass die Fed die Zinssätze noch weiter erhöhen muss.“

www.kansascityfed.org

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