Startup-Standort Hamburg: Noch Potenzial nach oben
Mit 1.540 aktiven Startups ist und bleibt Hamburg ein starker Standort für Gründer. Im Jahr 2025 sind in der Hansestadt 203 neue Startups hinzugekommen – ein Plus von 26 Prozent. Das sind Ergebnisse des „Hamburg Startup-Monitors“, der von der Handelskammer Hamburg gemeinsam mit dem deutschen Startup Verband Ende März in einer Online-Konferenz vorgestellt wurde.
Trotz der steigenden Gründungsdynamik bestehe in der Hansestadt Handlungsbedarf: Der Rückstand zu anderen Ökosystemen wird immer größer. So flossen seit 2015 rund drei Milliarden Euro nach Hamburg – in München waren es zwölf Milliarden Euro, in Berlin 38 Milliarden. Interessant in diesem Zusammenhang sei, dass das Münchener Ökosystem seit dem Jahr 2019 abhob: Das Investmentvolumen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen und lag zuletzt auf dem Berliner Niveau. Impulse seien nötig, um zu den Top-Standorten aufzuschließen, darin waren sich die Teilnehmer der im Zuge der Präsentation stattfindenden Paneldiskussion einig. Anwesend waren Vertreter aus Startup-Szene, Venture Capital, Politik und Institutionen: Dr. Joana Gil (CEO und Founder Lingnopure), Sebastian Pollok (Founding Partner Visionaries Club & Vorstand Startup Verband) und Hansjörg Schmidt (Fachsprecher für Medien, Wirtschaft und Innovation/SPD Hamburg). Weitere Teilnehmer: Eva Botzenhart (Sprecherin für Wirtschaft, Digitalisierung und Datenschutz/Grüne Hamburg) sowie Axel Hoops (Leiter Gründung, Förderung und Finanzmarkt der Handelskammer Hamburg). Hamburg befindet sich an einem kritischen Punkt, an dem große Runden häufiger werden und das Ökosystem den nächsten Schritt machen muss. Allerdings sei die Problematik eine gesamtdeutsche: In Deutschland wurden zuletzt rund 0,2 Prozent (2016 bis 2020: 0,1 Prozent) des BIPs in Startups investiert – in den USA, aber auch Großbritannien und Schweden liegen diese Werte dreimal so hoch. Mit nur 0,3 Prozent fließt in Hamburg bezogen auf die Wirtschaftskraft zu wenig Kapital in das lokale Startup-Ökosystem: Es braucht deutlich mehr Investitionen, um zukunftsfähig zu bleiben.
Woran hapert es?
Beim Zugang zu Kooperationen und Aufträgen haben es Startups in der Hansestadt besonders schwer, denn etablierte Unternehmen sind noch zu zurückhaltend – trotz des immensen Potenzials, die die zahlreichen in Hamburg angesiedelten Unternehmen beispielsweise im Bereich Industrie bieten. Axel Hoops von der Handelskammer Hamburg verweist so auch auf das Potenzial, das Vernetzung bieten könnte. Die Stadt könne nicht allein für die Finanzierung sorgen, privates Kapital müsse generiert werden – und dies gelinge auch durch Networking. Netzwerke und Vor-Ort-Events seien für den Erfolg von Startup-Ökosystemen elementar. Während der Bedarf in Berlin weitgehend gedeckt sei, scheine die Hamburger Startup-Szene in diesem Bereich aktuell noch unterversorgt zu sein. Dort bieten sich Chancen, mit den richtigen Formaten an den Herausforderungen Kapital und Kooperation anzusetzen und schnell Mehrwert zu liefern. Die Herausforderungen beim Kapital spiegeln sich auch im Investmentklima wider: 56 Prozent bewerten die Lage als schlecht, im Hotspot Berlin sind es nur 36 Prozent.
Sebastian Pollok vom Startup Verband vermisst den „Pull-Effekt“ und regt das Auflegen größerer Netzwerk-Events an, die Externe nach Hamburg holen. Denn insbesondere in der Wachstumsphase fehle es vielen Startups an ausreichend Kapital – Business Angels sollten mehr unterstützen. Und so ist die Nachfrage nach Events laut „Startup Monitor“ hoch: 66 Prozent der Startups wünschen sich in Hamburg mehr Vor-Ort-Events gegenüber nur 36 Prozent in Berlin. Zentral sind dabei Kundenakquise (66 Prozent), Vernetzung mit Gründern (60 Prozent) und Investoren (52 Prozent). Bessere Vernetzung könnte dann auch bei den Investments helfen, bei denen Hamburg aufholen muss: 44 Prozent der Start-ups in Hamburg wurden mit externem Kapital finanziert (39 Prozent bundesweit). Ein interessanter Fakt: Besonders viele der Startup-Gründer in Hamburg haben zuvor Erfahrung in Großunternehmen gesammelt – es spiegelt sich die lokale Wirtschaftsstruktur wider. Diese Erfahrung kann bei der Gewinnung von Unternehmenskunden und Kooperationsprojekten hilfreich sein. Dieses Potenzial gilt es, noch besser zu nutzen.
Was wurde umgesetzt? Womit kann Hamburg punkten?
Trotzdem könne sich Hamburg in Sachen Umsetzung durchaus sehen lassen, etwa bezüglich der Cluster. So steht beispielsweise das Segment GreenTech – also umweltfreundliche Technologien – im Fokus: Mehr als jedes fünfte Hamburger Startup (22 Prozent) lässt sich als GreenTech klassifizieren (Deutschland: 16 Prozent). Und auch das einzige Hamburger Unicorn (ein Startup mit einer Bewertung von über einer Milliarde US-Dollar) kommt aus diesem Bereich: 1KOMMA5°. Das Unternehmen, dessen Name sich an das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens anlehnt, bietet nachhaltige Energielösungen für Privathaushalte. Deutschlandweit gibt es 34 Unicorns, in den USA sind es rund 800. Und obwohl die Zahl der Initiativen bemängelt wird, ist auch dort bereits einiges auf den Weg gebracht worden. So wurde im vergangenen Jahr „Impossible Founders“ ins Leben gerufen. Die DeepTech-Startup-Factory, getragen von Universitäten, Stiftungen & Corporates, hat sich darauf spezialisiert, wissenschaftliche Forschung in skalierbare Unternehmen zu übersetzen. Das Ziel des Projektes, das über eine Gesamtfinanzierung von 50 Millionen Euro verfügt, soll den Einstieg in die unternehmerische Praxis unterstützend und niedrigschwellig zu gestalten – mit Formaten, die den ersten Schritt erleichtern.
Zusammengefasst lässt sich also feststellen, dass der Zugang zu Venture Capital und großen Wachstumsrunden die strukturellen Herausforderungen bleiben. Auch die Rahmenbedingungen bei Regulierung und die Ausweisung zusätzlicher Labor- und Prototypingflächen müssten sich verbessern. Events könnten zudem zu besserer Vernetzung führen. Gelingt es, mehr Kapital zu mobilisieren, den Technologietransfer zu intensivieren und die Internationalisierung voranzutreiben, könnte Hamburg seine Position ausbauen. Bleiben diese Entwicklungen aus, droht die Stadt trotz guter Ausgangslage hinter anderen europäischen Startup-Hubs zurückzufallen. (DFPA/MB)
Der Beitrag ist zuerst in EXXECNEWS Ausgabe 08-2026 erschienen.