Wenn Geschäftsbanken passen, helfen Mikrofinanzfonds
Sie gewähren Kredite für Kleinst- und Kleinunternehmen, vornehmlich in Entwicklungs- und Schwellenländern. Sie ermöglichen, selbstständig Einnahmen zu erzielen, Wirtschaftswachstum zu fördern und Armut zu reduzieren. EXXECNEWS stellt diese Form des Impact-Investings vor – Mikrofinanzfonds als ein Teil der Assetklasse Private Debt.
Wodurch unterscheidet sich die Finanzierung durch Geschäftsbanken von der durch Mikrofinanzfonds? Mikrofinanzfonds unterliegen nicht den strengen Vergabekriterien der Banken, bieten eben Finanzierungen außerhalb des Banksektors an. Dennoch sind auch sie reguliert: Deutsche Mikrokapitalfonds unterliegen nach dem Kapitalanlagegesetzbuch (§§ 220 KAGB ff) als „Sonstige Investmentvermögen“ der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Sie dürfen nur in bestimmte Vermögenswerte – wie beispielsweise unverbriefte Darlehensforderungen – investieren, die sie Mikrokapitalinstituten überwiegend in Entwicklungs- und Schwellenländern zur Verfügung stellen. Ihre Anlagebedingungen sind vor deren Verwendung von der BaFin zu genehmigen.
Mikrokapitalinstitute unterscheiden sich in der Kreditvergabe von den Geschäftsbanken in erster Linie dadurch, dass sie auf die bei Geschäftsbanken gewöhnlich geforderten Sicherheiten verzichten. Dies wird durch eine genaue Überprüfung der persönlichen Lebensumstände und einem engen Kontakt zwischen Mikrofinanzinstitut und Kleinstkreditnehmer wettgemacht. Ob sie eine Banklizenz benötigen, hängt vom Geschäftsmodell, der jeweiligen Regulierung des Landes und den angebotenen Produkten ab. Sie arbeiten oft unter einer speziellen Mikrofinanzaufsicht.
Warum rücken Mikrofinanzfonds gerade jetzt in den Fokus? Anfang dieses Monats konnte der Asset Manager Euramco aus Aschheim bei München mit guten Nachrichten für seine Anleger aufwarten: Sein „Mikrofinanz-Fonds I“ stehe vor dem erfolgreichen Abschluss. Mit der nun anstehenden Schlusszahlung bekommen die Anleger insgesamt 200 Prozent auf ihr eingezahltes Kapital zurück.
Der „Mikrofinanz-Fonds I“ ermöglichte Privatanlegern erstmals, durch einen geschlossenen Fonds Mikrofinanzkredite an Kleinst- und Kleinunternehmen in Asien und Afrika vergeben. „Wir sind stolz darauf, mit unserem innovativen Angebot, das bei Auflage durchaus kritisch gesehen wurde, einen derart nachhaltigen Mehrwert sowohl für die Kreditnehmer in der dritten Welt als auch für unsere Anleger geschaffen zu haben“, betont Jürgen Göbel, Geschäftsführer der Euramco Gruppe. „Gesellschaftliche Verantwortung und eine angemessene Rendite ergänzen sich zu einem im besten Wortsinne nachhaltigen Investment.“
Der „Mikrofinanz-Fonds I“ investierte zwölf Millionen US-Dollar in eine Zielgesellschaft, die von Catalyst Microfinance Investors (CMI) mit Büros in Amsterdam, Niederlande, und Dhaka, Bangladesch, gemanagt wird. Die Zielgesellschaft investiert zusammen mit anderen Investoren in Mikrofinanzinstitute. Insgesamt konnten dadurch 2.145 Mikrofinanzinstitute in 13 Ländern in Asien und Afrika Kredite an Kleinstunternehmen in Höhe von 447 Millionen Dollar vergeben – durchschnittlich also rund 200.000 US-Dollar pro Institut. Da die einzelnen Institute wiederum eine Vielzahl von Kleinstkrediten vergaben, ist es schon allein durch die Risikostreuung nicht verwunderlich, dass das Kreditausfallrisiko insgesamt unter einem Prozent lag – typisch für Mikrofinanzfonds generell.
Konzept von Muhammad Yunus
Mikrofinanzkrediten liegt ein Konzept zugrunde, für das Muhammad Yunus, Wirtschaftswissenschaftler, Geschäftsmann und bis vor kurzem noch Interims-Premierminister von Bangladesch, im Jahr 2006 den Friedensnobelpreis erhielt.
1974 sprach Yunus im bangalischen Dorf Jobra mit einer Frau, die einen Bambushocker für einen Zwischenhändler fertigte. Der schoss ihr das Geld für den Materialkauf vor, um ihr dann den fertigen Bambushocker zum gleichen Preis abzukaufen – plus zwei Cent. Das war der ganze Tagesverdienst der Frau. Stünde der Frau das Geld für den Materialkauf zur Verfügung, so damals die Überlegung von Yunus, wäre sie frei, wie und an wen sie ihr Produkt verkaufen würde und käme aus der Abhängigkeit zu dem Händler. Um anderen in gleicher Situation zu helfen, lieh Yunus daraufhin 42 Familien im Dorf Jobra den Gegenwert von 27 US-Dollar. Dies war der erste Schritt hin zur Gründung der Grameen Bank in Dhaka: Bis Ende 2025 hat Grameen zwischenzeitlich insgesamt 41,4 Milliarden US-Dollar an Mikrofinanzkrediten gewährt.
Mikrofinanzinstitute wie die Grameen Bank, aber auch zahllose andere kleine Institute weltweit, vergeben Kredite zu moderaten Konditionen an Personen oder Kleinst- und Kleinunternehmen, die als Kunden für klassische Geschäftsbanken nicht in Frage kommen würden. Mikrofinanzfonds – wie der „Mikrofinanz-Fonds I“ der Euramco – als eine Art Charity-Investment einzuordnen, wäre sicherlich falsch. Mikrofinanzfonds sind als soziale Investmentfonds, als „impact investing funds“ anzusehen, die sowohl den (moderaten) finanziellen Interessen der Anleger als auch dem sozialen oder ökologischen Nutzen der Kreditnehmer dienen.
Mikrofinanz ist Impact-Investing
Der Zweck der Finanzierung, ihr sozialer Fokus, Aspekte wie Armut zu reduzieren und wirtschaftliche Entwicklung zu fördern, steht im Vordergrund. Damit erfüllen Mikrofinanzfonds die bekannten ESG-Kriterien (Environmental, Social and Governance), die Berücksichtigung umweltbezogener und sozialer Belange bei verantwortlicher Geschäftsführung. Sie orientieren sich auch an den 17 Nachhaltigkeitszielen, den „Sustainable Development Goals“, SDG) der Vereinten Nationen – vorneweg am Ziel „Keine Armut“ und „Kein Hunger“. Damit dominiert bei Mikrofinanzfonds der Kapitalerhalt, nicht die Kapitalmehrung die Anlegermotivation. Entsprechend liegt der durchschnittliche Return bei ihnen meist niedriger als bei „non-impact funds“, die sich maßgeblich an Gewinnen und Wertzuwachs orientieren.
Wie funktionieren die in Deutschland angebotenen Mikrofinanzfonds? Überwiegend werden erhaltene Anlegergelder nicht direkt als Mikrokredite vergeben, sondern finanzieren Mikrofinanzinstitute, die dann die Kredite gewähren. Ein anderes System verfolgt der Mikrofinanzfonds „Alternative“ der MK Global Kapital. Ihr CEO Dr. Johannes Feist erklärt es im nachfolgenden Interview. EXXECNEWS stellt eine Auswahl der in Deutschland angebotenen Mikrofinanzfonds vor:
Beispiel: „IIV Mikrofinanzfonds“
Da ist zum einen der „IIV Mikrofinanzfonds“ des von Edda Schröder gegründeten Frankfurter Impact-Unternehmens Invest in Vison GmbH. Mit den Anlegergeldern wird in unverbriefte Darlehensforderungen bei Mikrofinanzinstituten in Entwicklungs- und Schwellenländern investiert. Diese verleihen das aufgenommene Kapital wiederum an einkommensschwache Kreditnehmer, die ihren Lebensstandard durch eine unternehmerische Tätigkeit verbessern wollen oder finanzielle Engpässe überbrücken müssen. Typische Mikrokreditnehmer sind beispielsweise Gemüsehändler, Schneider, Viehzüchter und Handwerker. Sie haben somit das Geld für Saatgut, Werkzeuge, Materialien oder andere Rohstoffe – ganz entsprechend der Grundüberlegungen von Muhammad Yunus.
Aktuell hat der Fonds ein Volumen von 646 Millionen Euro. Sein Portfolio ist breit gestreut über 35 Länder und 91 Mikrofinanz-institute, darunter beispielsweise die Banco Agricola, die zur Grupo Bancolombia in Kolumbien gehört. Mit 3,67 Prozent entfällt auf sie aktuell der höchste Anteil am Portfolio. Deutlich weniger – nämlich 0,74 Prozent – entfallen auf PT Bina Artha Ventura, die 2011 gegründet wurde und sich aktiv im Mikrofinanzsektor in Indonesien engagiert, oder mit 0,13 Prozent im Portfolio auf die TuranBank, eine der führenden Banken in Aserbaidschan.
Insgesamt 476.957 Kreditnehmer wurden ausweislich des aktuellen IIV-Monatsberichts durch die Mikrofinanzinstitute gemeldet. Damit würde die durchschnittliche Kredithöhe 1.220 US-Dollar betragen. Rund 85 Prozent der Kreditnehmer seien Frauen.
Strom für Subsahara-Afrika
2025 initiierte Invest in Vision den „IIV Solar Electrification Debt ELTIF“, den ersten europäischen Investmentfonds, der sich der Finanzierung netzunabhängiger Elektrifizierung in Subsahara-Afrika widmet. Besonderes Augenmerk wird auf gewerbliche und industrielle Photovoltaik-Lösungen gelegt, wobei auch die produktive Energienutzung und Mini-Grids berücksichtigt werden. Aktuellen Schätzungen zufolge haben mehr als 685 Millionen Menschen weltweit keinen Zugang zu Elektrizität, da sie in (zumeist ländlichen) Regionen leben, die nicht vom staatlichen Stromnetz versorgt werden. Besonders stark betroffen ist Subsahara-Afrika. Vier von fünf Menschen ohne Zugang zu sauberer Energie stammen aktuell aus einem der 49 Länder dieser Weltregion, die eine Elektrifizierungsrate von lediglich 50 Prozent aufweist.
Der Fonds ist im Aufbau mit aktuell einem Vermögen von 2,1 Millionen Euro und hat bislang noch keine Investments in Subsahara-Afrika getätigt. Ausweislich des Halbjahresberichts Ende September 2025 waren rund 300.000 Euro zur Zwischenanlage in Wertpapiere aus Südkorea angelegt.
Beispiel: „GLS AI – Mikrofinanzfonds“
Ein weiteres Beispiel ist der 2015 aufgelegte „GLS Alternative Investments – Mikrofinanzfonds“, der von der luxemburgischen Kapitalverwaltungsgesellschaft JPConsult verwaltet wird. Fondsmanager ist die Frankfurt School Financial Services GmbH. Sein Ansatz ist es, jedem Menschen, unabhängig von seinem Lebensort, den Zugang zu gängigen Bankdienstleistungen zu ermöglichen.
Hierfür finanziert der Fonds Mikrofinanzinstitute in Südosteuropa, Lateinamerika, Asien und Afrika, die wiederum Kleinst- und Kleinunternehmen mit Kapital ausstatten: Eine Ladenbesitzerin aus Kinshasa in der Demokratischen Republik Kongo, ein Milchviehbauer aus Istog im Kosovo, eine Unternehmerin aus Catambuco in Kolumbien. Gemeinsam haben diese Menschen, dass sie sich einen Zugang zu Krediten, aber vor allem zu verlässlichen Sparangeboten und Versicherungen wünschen.
Laut dem aktuellen Monatsbericht ist der „GLS AI – Mikrofinanzfonds“ gestreut über 28 Länder und 61 Mikrofinanzinstitute. 82.722 Kreditnehmer (84 Prozent davon Frauen) wurden erreicht, was eine durchschnittliche Kredithöhe von 1.862 Euro ergibt. Ende Januar 2026 hatte der Fonds ein Volumen von knapp über 200 Millionen Euro.
Katharina Lange, Senior Nachhaltigkeitsanalystin im Research Team für den Mikrofinanzfonds, sagt: „Für die GLS-Gruppe ist Mikrofinanzierung wichtig, da sie für Menschen weltweit den Zugang zu grundlegenden und verlässlichen Finanzdienstleistungen stärkt, die sonst keinen oder nur sehr begrenzten Zugang hätten. Die Mikrofinanzinstitute des GLS Alternative Investments – Mikrofinanzfonds vergeben Klein(st)kredite an Endkunden – häufig Frauen und Menschen in ländlichen Regionen. Strenge Ausschluss- und Positivkriterien und eine umfassende Prüfung vor Ort stellen eine verantwortungsvolle Kreditvergabe sicher, bei der der Kundenschutz im Mittelpunkt steht. Gleichzeitig hat der Fonds über viele Jahre gezeigt, dass Mikrofinanzierung nicht nur sozial sinnvoll, sondern auch finanziell stabil ist – selbst in Krisenzeiten.“
Auswahl an Mikrofinanzfonds
Der „BlueOrchard Microfinance Fund“ wurde im September 1998 aufgelegt und hat ein Fondsvolumen von derzeit 2,7 Milliarden Euro. Er hat mit 49,36 Prozent seinen Anlageschwerpunkt in Asien. Die größten Allokationen entfallen auf Indien, Georgien und Usbekistan. Der Investment Manager BlueOrchard Finance Ltd hat seinen Sitz in Zürich und ist Teil der internationalen Schroders Group.
Das Ziel des „responsAbility Global Micro and SME Finance Fund H Fonds“ ist es, langfristig eine reale Wertsteigerung anzustreben. Dabei soll gleichzeitig durch die Förderung von unternehmerischer Tätigkeit ein Beitrag zur Armutsreduktion in Entwicklungs- und Transitionsländern geleistet werden. Zu diesem Zweck investiert der Fonds seine Mittel so, dass lokale Mikrofinanzinstitute spezifische Finanzdienstleistungen für Kleinst- und Kleinunternehmen dauerhaft anbieten können. responsAbility Investments AG, die ebenfalls ihren Sitz in Zürich hat, ist führend in der Beschaffung, Strukturierung und Verwaltung von Anlagen in Schwellenländern, die neben einer finanziellen Rendite auch positive Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt haben. responsAbility hat derzeit rund 5,8 Milliarden US-Dollar Assets under Management.
Der „FairWorldFonds“ von Union Invest hat aktuell ein Volumen von rund 1,3 Milliarden Euro. Das Fondsvermögen wird schwerpunktmäßig weltweit in verzinsliche Wertpapiere, Aktien sowie bis zu 10 Prozent in Mikrofinanzfonds angelegt. Die Investitions- und Anlageentscheidungen orientieren sich an sozialen, ökologischen und entwicklungspolitischen Kriterien.
Der „Triodos Microfinance Fund“ ist ein offener Impact-Investmentfonds, der Mikrofinanzinstituten sowohl Eigen- wie auch Fremdkapital zur Verfügung stellt. Er ist langfristig investiert in Osteuropa, Lateinamerika, Afrika und Asien und hat aktuell ein Volumen von rund 305 Millionen Euro.
Fazit
Gemessen an der an der nahezu unüberschaubaren Zahl von Investmentfonds stellen Mikrofinanzfonds nur eine kleine, aber wichtige Fondsnische dar: Als „impact investing funds“ dienen sie wichtigen Zielen wie dem der Reduzierung von Armut und letztlich dem Wachstum von wirtschaftlich benachteiligten Regionen. Mit ihrem Impact-Fokus sind Mikrofinanzfonds das geeignete Anlagevehikel für sozialorientierte Anleger – zumindest als Beimischung zu bestehenden Portfolios. (LJH)
Der Beitrag ist zuerst in EXXECNEWS Ausgabe 05-2026 erschienen.
Lesen Sie auch das zugehörige Interview mit dem MK Global Kapital-CEO Dr. Johannes Feist.