„Wenn die Energieversorgung ins Stocken gerät, untergräbt das die grundlegenden Funktionen des Staates, denn Energie ist nicht einfach ein Wirtschaftsgut oder irgendeine Form von Technologie, sondern die eigentliche Lebensader unserer Gesellschaften und Volkswirtschaften.“ Das sagte Bundesaußenminister Johann Wadephul auf der Ukraine-Energiekonferenz Mitte Mai 2026 in Berlin: Die ausreichende Energieversorgung für die Zukunft und gleichzeitig die Energiewende weg von fossilen Brennstoffen sicherzustellen, sei die Herausforderung unserer Tage.
Der Stromverbrauch steigt weltweit. Eine der treibenden Kräfte ist die Künstliche Intelligenz (KI) und die dafür notwendigen Rechenzentren: Bei ChatGPT gehen pro Tag rund 2,5 Milliarden Anfragen ein, hieß es im Wissenschaftsmagazin „nano“ des TV-Senders 3Sat vom 03. Juni 2026: Jede KI-Anfrage verbrauche das 200fache an Energie als eine Anfrage ohne KI. Am gleichen Tag veröffentlichte die United Nations University mit Hauptsitz in Shibuya, Japan, eine Studie über den künftigen Ressourcenverbrauch von Rechenzentren: 2030 würden sie weltweit pro Jahr rund 945 Terawattstunden (TWh) Strom verbrauchen – so viel wie beispielsweise Frankreich in einem Jahr.
Aktuell liegt der Stromverbrauch in Deutschland bei knapp unter 500 TWh pro Jahr. Der Anteil der Erneuerbaren Energien im Stromsektor erreichte im Jahr 2025 einen Wert von 58,6 Prozent, teilt das Statistische Bundesamt Destatis mit (Stand: März 2026). Würden bis 2030 die bisherigen Ausbauziele bei Erneuerbaren Energien erreicht, wäre bei einem prognostizierten Strombedarf von 600 bis 700 TWh rund 80 Prozent des Strombedarfs aus Erneuerbaren Energien zu speisen, meint der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Berlin.
Erneuerbaren Energien kommt weiter wachsende Bedeutung zu. Zehn Experten beleuchten im aktuellen EXXECNEWS-Schwerpunkt dieses Zukunftsthema aus verschiedenen Perspektiven:
Für Ulrik Fugmann, BNP Paribas Asset Management, (Thema 1) sind Erneuerbare Energien unverzichtbar für die Zukunft – gerade auch jetzt bei zunehmenden geopolitischen Verwerfungen. Guillaume Dejean, Allianz Trade, (Thema 2) meint, dass die Elektromobilität auch den Ausbau Erneuerbaren Energien beschleunigen wird. Oliver Lang, HEP Vertrieb GmbH (Thema 3) betont, dass Erneuerbare Energien deutlich günstiger zu gewinnen sind als Strom aus fossilen Quellen, allerdings die Netzversorgung wie ein Flaschenhals wirke. Große Bedeutung käme daher den Batteriespeichern zu, die sich zu einer Schlüsseltechnologie für die Energiewende entwickelten, belegt Fabian Meloni, BVT-Unternehmensgruppe (Thema 4). Erneuerbare Energien haben sich für institutionelle Investoren und private Anleger als attraktive Anlagemöglichkeit entpuppt – entsprechend hoch sei der Zufluss von Eigenkapital in diese Investments, beobachtet Jörg Busboom, Ökorenta Invest, (Thema 5). Ohne Fremdkapital und neue Modelle bei der Kreditvergabe wäre aber der enorme Kapitalaufwand der Energiewende nicht zu schaffen, meint René Kassis, Caerus Debt Investments (Thema 6).
Auf den Dächern deutscher Logistikimmobilien steht für Photovoltaik-Module genügend Platz zur Verfügung, um praktisch alle deutschen Privathaushalte mit Solarenergie zu versorgen, meint Tobias Kassner, Garbe Industrial, (Thema 7). Bei Windkraft-Investments ginge der Trend zu integrierten Lösungen, sagt Fritz Roth, Praeclarus Invest, (Thema 8) und erläutert die Vorteile. Die Potenziale von „waste-to-energy“, Abfallentsorgung und Energiegewinnung aus alternativen Quellen, beschreibt Klaus Weber, Patrizia GrundInvest Kapitalverwaltungsgesellschaft , (Thema 9). Wasserkraft stehe nicht im Mittelpunkt der Energiedebatte, liefere aber langfristige Stabilität, rundet Andreas Grassl, Renaio-Gruppe, (Thema 10) die EXXECNEWS-Berichterstattung ab. (LJH)
