Im aktuellen Rentenstreit zwischen der Bundesregierung und der Jungen Union zeichnet sich (noch) kein Kompromiss ab. Zur Erinnerung: Die Junge Union reklamiert eine über den Koalitionsvertrag hinausgehende Verabredung der Bundesregierung, nach der das Rentenniveau auch über das Jahr 2031 hinaus mit 48 Prozent festgeschrieben werden soll. Gibt es keine Einigung, dürfte wohl das gesamte Rentenpaket scheitern. Ob dieses Paket dann zunächst erst einmal verschoben oder als nicht durchsetzbar ganz abgesagt wird, ist unklar. Fest steht: Der Reformdruck nimmt von Jahr zu Jahr zu. Das Deutsche Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) wollte in diesem Kontext im Rahmen einer Befragung von 2.000 Bürgern wissen, welche politischen Maßnahmen in der Bevölkerung mehrheitsfähig wären.
Erstaunlich sei, dass eine abgewandelte Form des am Ende nicht mehr umgesetzten Generationenkapitals der Ampelregierung die höchsten Zustimmungswerte erreichte. Denn immerhin 34 Prozent der Befragten sind dafür, dass staatliche Gelder in dreistelliger Milliardenhöhe an den Kapitalmärkten angelegt und die Erträge zur Teilfinanzierung der gesetzlichen Rente herangezogen werden. Offen bei der Antwortmöglichkeit blieb allerdings die durchaus erhebliche Frage, woher der hohe Geldbetrag denn kommen soll.
Auf Platz zwei möglicher Maßnahmen kommt mit Werten zwischen 19,6 und 31,4 Prozent die Erhöhung des Steuerzuschusses. Dieser liegt zwar heute schon bei deutlich über 100 Milliarden Euro. Viele sehen aber darin offensichtlich kein größeres Problem. Die relativ große Bandbreite der Werte ergibt sich daraus, wie der höhere Bundeszuschuss gegenfinanziert werden soll. Am meisten Zustimmung findet mit 31,4 Prozent eine Finanzierung aus Einsparungen bei anderen staatlichen Ausgaben. 22,8 Prozent stimmen für eine Finanzierung aus zusätzlichen Staatsschulden. Und 19,6 Prozent befürworten Steuererhöhungen. Die Ergebnisse zeigen: Wenn es, wie bei Steuererhöhungen (und gegebenenfalls Erhöhungen des Beitragssatzes) direkt an den eigenen Geldbeutel gehen könnte, schwindet die Akzeptanz einer Maßnahme deutlich. Hingegen stößt eine Sozialisierung eher auf Zustimmung.
Eine Aktivrente, also das steuerbegünstige Arbeiten über das Renteneintrittsalter hinaus, befürworten 28,6 Prozent der Befragten. Die Effekte auf die Finanzierbarkeit der gesetzlichen Rente wären allerdings gering. Aus den Erwerbseinkommen würden zwar zusätzliche Beiträge ins Umlageverfahren fließen. Denen würden aber auf der anderen Seite höhere Rentenansprüche der Betroffenen gegenüberstehen. (DFPA/mb)
Das Deutsche Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung GmbH (DIVA) ist das Forschungsinstitut des Bundesverbands Deutscher Vermögensberater (BDV) und Hochschulinstitut der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW).