Die stillen Lasten der 30 größten deutschen Lebensversicherer sind laut Metzler Ratings auf rund 92 Milliarden Euro gestiegen. Neun Gesellschaften verfügen demnach über keine ausreichenden Sicherungsmittel. An der Spitze des Qualitätsratings steht erneut die WWK.
Die deutschen Lebensversicherer geraten wegen steigender Zinsen und wachsender Abschreibungsrisiken zunehmend unter Druck. Das geht aus dem aktuellen Qualitätsrating des Analysehauses Metzler Ratings hervor. Demnach summierten sich die stillen Lasten der 30 größten Anbieter zum Jahresende 2025 auf netto rund 92 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor waren es etwa 65 Milliarden Euro.
Seit dem Bilanzstichtag sind die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen laut Metzler weiter gestiegen. Dadurch könnten sich die stillen Lasten aktuell auf rund 127 Milliarden Euro belaufen. Sollte die Rendite bis zum Jahresende vier Prozent erreichen, wären nach Berechnungen des Analysehauses rund 150 Milliarden Euro möglich. Stille Lasten entstehen, wenn niedrig verzinste Anleihen aus der Niedrigzinsphase wegen steigender Marktzinsen an Wert verlieren.
Neun der untersuchten Versicherer unterschritten bei der Sicherheitsmittelquote die Nulllinie. Dazu zählen Proxalto, Alte Leipziger, Württembergische, Gothaer, Generali Deutschland, LVM, LPV, Cosmos und Zurich. Bei zehn Gesellschaften überstiegen die stillen Lasten 15 Prozent des Kapitalanlagenbestands. Besonders hoch waren sie bei LPV mit 28,8 Prozent.
„Die Rekordschulden des Bundes und die milliardenschweren Sondervermögen für Verteidigung und Infrastruktur treiben die langfristigen Zinsen“, sagte Metzler-Ratings-Chef Marco Metzler. Die steigenden Zinsen seien grundsätzlich positiv für Lebensversicherer, träfen aber Gesellschaften mit hohen Altlasten besonders stark.
Im Qualitätsrating belegte die WWK mit der Bestnote AAA erneut den ersten Platz. Es folgten die Hannoversche mit AA+ und die SV Leben mit AA. Metzler kritisierte, dass klassische Bonitäts- und Produktratings stille Lasten häufig nicht oder nur unzureichend berücksichtigten.
Zusätzliche Risiken sieht das Analysehaus bei Immobilien und Private Debt. Abschreibungen könnten die Ergebnisse der Versicherer weiter belasten. Für Kunden sei deshalb neben den Produktkosten auch die finanzielle Substanz des jeweiligen Anbieters entscheidend. (DFPA/abg)
Das vollständige Rating finden Sie hier.
Metzler Ratings ist ein unabhängiger Datendienst, der marktrelevante Informationen zu Unternehmen, Produkten und Dienstleistungen sammelt und bewertet. Sein Fokus liegt darauf, Verbraucher und Investoren durch transparente und entscheidungsrelevante Informationen zu stärken. Die Ratings werden auf Basis öffentlich verfügbaren Ratings von verschiedenen Agenturen aggregiert, was zu einem verzerrten Bild führen kann, da nicht alle Produkte gleichwertig bewertet werden.