Die deutschen Lebensversicherer sind finanziell weiterhin stabil aufgestellt, stehen aber vor strukturellen Herausforderungen. Das zeigt der procontra LV-Check 2026. Während die Branche 2025 ihr Neugeschäft ausbauen konnte und von hohen Reserven profitiert, belasten steigende stille Lasten, höhere Stornoquoten und anhaltender Kostendruck die Anbieter.
Das Neugeschäft der untersuchten Lebensversicherer hat sich 2025 positiv entwickelt. Der Neuzugang nach laufendem Beitrag und Einmalbeiträgen (APE) stieg auf rund 9,5 Milliarden Euro. Der laufende Neuzugang legte dagegen nur leicht auf 6,4 Milliarden Euro zu. Wachstumstreiber waren vor allem Einmalbeiträge, die um 18,7 Prozent auf rund 31 Milliarden Euro zunahmen. Ihr Anteil am Neugeschäft nach APE erhöhte sich damit auf 32,7 Prozent.
Besonders gefragt blieben fondsgebundene Versicherungen. Ihr Anteil am Neuzugang gegen laufenden Beitrag stieg auf 46,3 Prozent. Damit setzt sich der Trend zu kapitalmarktnahen Vorsorgeprodukten fort. Die stärkere Bedeutung von Einmalanlagen sorgt allerdings auch für eine differenzierte Bewertung: Entscheidend sei, ob das Wachstum dauerhaft breit getragen werde oder von einzelnen Produktsegmenten und größeren Einzelanlagen abhänge, heißt es in der Analyse.
Die Finanzkraft der Branche bleibt demnach hoch. Dazu trägt weiterhin die Zinszusatzreserve (ZZR) bei. Die untersuchten Versicherer konnten 2025 rund 3 Milliarden Euro aus der Reserve auflösen. Der Gesamtbestand der ZZR liegt weiterhin bei etwa 75 Milliarden Euro. Die Mittel stützen Kapitalanlageergebnisse, Rohüberschüsse und Überschussbeteiligungen.
Gleichzeitig haben sich die Belastungen durch Bewertungsreserven verstärkt. Die stillen Lasten summierten sich Ende 2025 auf rund 87,1 Milliarden Euro. Die Reservequote verschlechterte sich von minus 7,0 auf minus 9,6 Prozent. Zwar stellen diese Belastungen bei langfristig gehaltenen festverzinslichen Wertpapieren kein unmittelbares Risiko dar, sie können jedoch die finanzielle Beweglichkeit der Unternehmen einschränken.
Weitere Herausforderungen zeigen sich bei den Beständen. Die Stornoquote nach laufendem Beitrag stieg 2025 auf 5,56 Prozent. Sie bleibt damit ein wichtiger Indikator für die Stabilität der Vertragsbestände. Die Verwaltungskostenquote sank zwar auf 2,04 Prozent, wird laut Analyse jedoch auch durch die steigenden Einmalbeiträge beeinflusst. Für eine Bewertung der Anbieter seien daher zusätzlich Skaleneffekte, Bestandsentwicklung und langfristige Kostentrends entscheidend, so procontra. (DFPA/abg)
Der procontra LV-Check 2026 untersucht mehr als 50 Kennzahlen aus den Geschäftsberichten von 58 Lebensversicherern. Die analysierten Unternehmen repräsentieren nach Angaben der Studie mehr als 95 Prozent des deutschen Lebensversicherungsmarktes. Betrachtet werden die Bereiche Neugeschäft, Erträge und Kosten, Finanzstärke sowie Bestände.
Hier geht es direkt zum LV-Check 2026.