Die deutsche Lebensversicherungsbranche ist finanziell gefestigt, so das Ergebnis einer Studie der Ratingagentur Assekurata. Auskömmliche Neuanlagezinsen, die schrittweise Auflösung der Zinszusatzreserve und robuste Solvenzquoten führen zu einer soliden Ausgangslage. Gleichzeitig bergen geopolitische Spannungen weiterhin Unsicherheiten im Zins- und Kapitalmarktumfeld, die schwache Konjunktur bremse das Neugeschäft, und ab 2027 dürfte die Reform der geförderten privaten Altersvorsorge den Wettbewerb um Vorsorgegelder spürbar verändern.
Die verbesserte Ertragslage der Lebensversicherer zeigt sich in der bilanziellen Umsatzrendite, die mittlerweile bei rund 18 Prozent liegt. Zum Vergleich: In den Jahren der Niedrigzinsen fiel sie zeitweise auf unter zehn Prozent Ab 2027 rechnet die Rating-Agentur mit noch höheren jährlichen Zinszusatzreserve (ZZR)-Rückflüssen, sodass die Umsatzrendite dann an die 20-Prozent-Marke heranreichen und diese ab 2028 sogar übertreffen dürfte.
Auch die Solvenzlage der Lebensversicherer präsentiere sich sehr robust. Nach Auswertungen von Assekurata lag die durchschnittliche Solvenzquote der Lebensversicherer Ende 2025 bei knapp 380 Prozent. Damit übertraf sie sowohl die aufsichtsrechtliche Mindestanforderung von 100 Prozent als auch das Vorjahresniveau von 298 Prozent deutlich.
Neben Kapitalanlage und Solvenz rücke zunehmend die Kostentragfähigkeit in den Fokus. So sind die Verwaltungsstückkosten je Vertrag in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen. Nach Berechnungen von Assekurata kostet die Verwaltung einer Lebensversicherung aktuell rund 27 Euro je Vertrag. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren waren es rund 25 Euro, vor 15 Jahren noch weniger als 23 Euro.
Daneben hat Assekurata weitere Aspekte identifiziert, die den Produktwettbewerb künftig beeinflussen werden. Neobroker, Robo-Advisor und Fondsplattformen prägen schon heute die Kundenerwartungen an Kosten, Transparenz und digitale Bedienbarkeit. Hier sieht die Rating-Agentur bei den Lebensversicherern noch Nachholbedarf. „Die Lebensversicherung leidet nicht an fehlendem Vorsorgebedarf, sondern an einer Erlebnis-, Preis- und Transparenzlücke gegenüber digitalen kapitalmarktnahen Angeboten“, sagt Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata. Kunden müssten transparent erkennen können, was sie für ihre Kosten als Gegenwert erhalten. Damit werde „Value for Money“ zunehmend zur Vertrauensfrage. Aus Sicht von Assekurata sollten sich die Lebensversicherer nicht als Gegenmodell zum Kapitalmarkt positionieren, sondern als geeignete Alternative mit Beständigkeit, Risikoausgleich und bedarfsgerechtem Ruhestandsschutz.
Ab 2027 dürfte dieser Aspekt der Kostenseite mit der Reform der geförderten privaten Altersvorsorge noch stärker an Bedeutung gewinnen, weil geförderte Vorsorgelösungen dann stärker über Kosten, Transparenz und digitale Abschlussfähigkeit vergleichbar werden. Assekurata erwartet, dass die meisten Lebensversicherer die neue geförderte Altersvorsorge schon früh im nächsten Jahr auf den Markt bringen werden. Die konkrete Ausgestaltung werde sich dabei je nach Anbieter unterscheiden. Auf Seiten der Geschäftsprozesse könne die Assekuranz von ihren Erfahrungen aus der Riester-Welt profitieren, wohingegen viele branchenfremde Wettbewerber hier Neuland betreten.
„Insgesamt haben die Lebensversicherer wieder mehr finanzielle Bewegungsfreiheit“, fasst Heermann die Marktperspektiven zusammen. „Doch daraus entsteht kein Automatismus für neues Wachstum. Die Branche muss jetzt beweisen, dass sie ihre Stärken in eine einfachere, transparentere und kapitalmarktnähere Vorsorgelogik übertragen kann.“ (DFPA/AZ)
Die Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH ist die erste deutsche Rating-Agentur, die sich auf die Qualitätsbeurteilung von Versicherungsunternehmen aus Kundensicht spezialisiert hat. Assekurata führt ausschließlich Rating-Verfahren durch, bei denen die Vertreter der gerateten Einheit der Agentur einen schriftlichen Auftrag zur Erstellung des Ratings gegeben haben (beauftragte Ratings).
https://www.assekurata-rating.de