PE: KI-Risiken bremsen grenzüberschreitende Übernahmen
Neue Regulierung, technische Hürden und fehlende Fachkräfte gefährden zunehmend den Erfolg internationaler Firmenübernahmen. Nach Einschätzung der M&A-Experten des US-amerikanischen Technologieberatungsunternehmens West Monroe entscheidet der Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) immer häufiger darüber, ob ein Deal langfristig Wert schafft oder scheitert.
Bei grenzüberschreitenden Fusionen und Übernahmen rückt der Einsatz von KI nach Angaben von West Monroe zu einem zentralen Risikofaktor auf. Während Unternehmen bislang vor allem regulatorische Unterschiede, Datenschutz und kulturelle Besonderheiten berücksichtigen mussten, bestimmen nun auch KI-Regeln und technische Voraussetzungen über den Erfolg einer Transaktion.
Hintergrund ist, dass viele Geschäftsmodelle inzwischen auf KI-gestützte Prozesse wie Automatisierung, Datenanalyse oder digitale Kundensteuerung angewiesen sind. Diese Systeme lassen sich jedoch nicht ohne Weiteres international übertragen. Unterschiedliche nationale Vorschriften schränken etwa Datennutzung, Modelltraining oder autonome Entscheidungen ein.
Hinzu kommen technische Probleme und fehlende Fachkräfte. Modelle müssten oft regional angepasst oder neu trainiert werden. In vielen Märkten fehle zudem Personal, das KI-Systeme betreiben und überwachen könne. Experten sprechen von einer wachsenden Lücke zwischen den Annahmen in der Due Diligence und der tatsächlichen Umsetzbarkeit nach Abschluss einer Übernahme.
Besonders kritisch seien Abhängigkeiten von einzelnen KI-Anbietern sowie Lizenz- und Nutzungsrechte. Geschlossene Systeme böten zwar Vorteile bei Leistung und Rechtssicherheit, erschwerten aber Anpassungen und die internationale Skalierung. Offene Modelle seien flexibler, brächten jedoch Unsicherheiten bei Haftung und geistigem Eigentum mit sich.
Führende Investoren reagierten darauf inzwischen mit erweiterten Prüfverfahren. Dabei würden technische Übertragbarkeit, regulatorische Zulässigkeit und sogenannte „Agent-Readiness“ – also die praktische Einsatzfähigkeit von KI – bereits vor Vertragsabschluss bewertet. Risiken würden zunehmend direkt in Kaufpreis, Vertragsstruktur und Garantien eingepreist. (DFPA/abg)
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West Monroe ist eine 2002 gegründete Management- und Technologieberatung mit Hauptsitz in Chicago, die Unternehmen bei Digitalisierung, KI-Strategien und Fusionen und Übernahmen unterstützt. Das privat geführte Unternehmen berät nach eigenen Angaben Kunden aus Branchen wie Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen, Energie, Industrie und Private Equity. West Monroe positioniert sich insbesondere an der Schnittstelle von Strategie, Technologie und operativer Umsetzung und setzt dabei verstärkt auf KI-gestützte Beratungsansätze. Das Unternehmen beschäftigt mehrere tausend Mitarbeitende und unterhält neben Standorten in den USA auch internationale Büros in London und Heredia, Costa Rica.