Auf der Konferenz Versicherungsregulierung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) diskutierten Mitglieder des Finanzausschusses des Deutschen Bundestags und ein führender Versicherungsmanager, Dr. Jan Wicke (CFO der Talanx) über Bürokratieabbau, den Versicherungsstandort Deutschland und die Zukunft der Regulierung. Das Panel zeigte, dass zwischen Versicherungswirtschaft und Parlament in zentralen Fragen großer Konsens besteht. Ineffiziente Regelwerke ohne Verhältnismäßigkeit, unnötiges Goldplating und eine zu schematische Übertragung von Bankenregulierung auf die Versicherungswirtschaft werden als Probleme anerkannt.
Versicherung funktioniere auf Basis von Vertrauen. Wer eine Police abschließt, zahlt die Prämie heute und erhält die Leistung, wenn der Schaden eintritt. Dass dieser Mechanismus verlässlich funktioniert, setzt klare Regeln voraus. Niemand bestreitet das, auch nicht Wicke von der Talanx. Sein Einwand gilt nicht der Regulierung an sich, sondern ihrer zunehmend ineffizienten Ausgestaltung. „Wir sind gegen Regulierung, die das Versicherungsprodukt verteuert und unseren Nutzen für die Gesellschaft mindert”, so Wicke.
Als Beispiel diente ihm die EU-Taxonomie, ein Berichtswerk, das nachhaltige Geldanlagen transparenter machen soll. In der Praxis nutzen weder institutionelle Investoren noch Privatanleger das Instrument. Unternehmen müssen dennoch erhebliche Ressourcen für die Datenzusammenstellung aufwenden, ohne dass daraus ein erkennbarer Mehrwert entsteht. Ähnliches gilt laut Wicke für DORA, die EU-Regelung zur digitalen Widerstandsfähigkeit im Finanzsektor. Der Ansatz sei sinnvoll, durch nationale Zusatzanforderungen, die über den EU-Mindeststandard hinausgehen, jedoch übermäßig aufwendig geraten.
Noch schärfer fällt Wickes Kritik an der geplanten europäischen Richtlinie zur Sanierung und Abwicklung von Versicherungsunternehmen, kurz IRRD, aus. Hier werde Bankenregulierung schematisch auf die Versicherungswirtschaft übertragen, obwohl die Geschäftsmodelle grundverschieden sind. Banken können bei einem Vertrauensverlust innerhalb von Stunden in eine existenzielle Krise geraten. Versicherer zahlen Schäden über Jahre ab und haben damit weit mehr Zeit, auf Schwierigkeiten zu reagieren. Umfangreiche Abwicklungspläne nach Bankvorbild seien deshalb für Versicherer schlicht unverhältnismäßig. (DFPA/mb)
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) mit Sitz in Berlin ist die Dachorganisation der privaten Versicherer in Deutschland. In dem Verband sind rund 460 Mitgliedsunternehmen zusammengeschlossen.