Solvency II: Wie sicher sind die Lebensversicherer aufgestellt?

Am 7. April sollten Deutschlands Versicherer planmäßig zum dritten Mal ihre Berichte über die Solvabilität und Finanzlage (SFCR) offenlegen. Im Zuge der Corona-Krise hat die Aufsichtsbehörde allerdings mittlerweile die Frist verlängert, so dass es etwas länger dauern wird, bis die breite Öffentlichkeit erfährt, wie es um die Eigenmittelausstattung der Versicherer bestellt ist. Auf den ersten Blick sieht die Situation bis dato gut aus. Zum 31. Dezember 2018 hatten die deutschen Lebensversicherer trotz niedriger Zinsen ihre aufsichtliche Solvenzquote (SCR-Quote) im Schnitt auf knapp 500 Prozent ausgebaut, so dass ihr Sicherheitsniveau angesichts einer gesetzlichen Mindestanforderung von 100 Prozent über alle Zweifel erhaben schien, so meldet die Ratingagentur Assekurata.

Das vermeintlich hohe Solvenzniveau sei jedoch unter verschiedenen Erwägungen zu relativieren. Zunächst sei festzustellen, dass die Werte zwischen den einzelnen Gesellschaften im Markt bereits seit der Einführung von Solvency II im Jahr 2016 stark streuten. Zum Jahresultimo 2018 lag die Solvenzquote in der Spitze bei mehr als 1.000 Prozent, während sich am unteren Ende einzelne Anbieter nahe der 100-Prozent-Marke einordneten.

Darüber hinaus wenden vier von fünf Lebensversicherern bei der Solvency-II-Modellierung sogenannte LTG-Maßnahmen an. Unter dieses Akronym werden Long-Term-Guarantee-Maßnahmen wie die Volatilitätsanpassung sowie die zeitlich befristeten Übergangsmaßnahmen gefasst. Gerade letztere erhöhten die Solvenzquoten in aller Regel deutlich. In Zahlen ausgedrückt fiel Ende 2018 die Basis-SCR-Quote, in welcher die LTG-Maßnahmen keine Berücksichtigung finden, mit durchschnittlich 273 Prozent mehr als 200 Prozentpunkte geringer aus als ihr aufsichtliches Pendant. Bei zwölf Lebensversicherern lag sie sogar unterhalb der 100-Prozent-Marke.

Als weiterer Aspekt komme hinzu, dass die Höhe der Solvenzquote besonders bei Lebensversicherern mit langfristigem und zinsgebundenem Geschäftsmodell stets eine Momentaufnahme darstellt, da sie stark von den Zinsbedingungen am Kapitalmarkt abhängt. Angesichts des drastischen Zinsrückgangs der vergangenen Monate dürfte bereits das Bilanzjahr 2019 deutliche Spuren beim Solvenzkapital der Lebensversicherer hinterlassen haben.

Für die Jahre nach 2021 werfen laut Assekurata mögliche inhaltliche Änderungen in regulatorischer Hinsicht ihre Schatten voraus, Stichwort Gesamtüberprüfung von Solvency II („Solvency-II-Review“). Traditionellen Lebensversicherern mit langfristigen Verpflichtungen könnte besonders durch die erwogenen Anpassungen bei den Zinsmodellierungen Ungemach ins Haus stehen. Dies betreffe zuvorderst die Verschiebung des sogenannten „Last Liquid Points“ (LLP) für die Extrapolation der risikofreien Zinsstrukturkurve. Je nach Szenario könnten sich allein hierdurch die Solvenzquoten in Deutschland um annähernd 200 Prozentpunkte verringern.

Die europäische Versicherungsaufsicht EIOPA wird ihre finale Stellungnahme zum Solvency-II-Review im Juni der EU-Kommission vorlegen. Wann und wie diese dann etwaige Änderungen umsetzen wird, sei derzeit ebenso ungewiss wie die schlussendlichen Folgen von Corona für die Volkswirtschaften und Kapitalmarktentwicklungen. (DFPA/mb1)

Quelle: Blogeintrag Assekurata

Die Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH ist eine Ratingagentur, die sich auf die Qualitätsbeurteilung von Versicherungsunternehmen aus Kundensicht spezialisiert hat. Das Unternehmen wurde 1996 gegründet und hat seinen Sitz in Köln.

www.assekurata.de

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