Jedes Jahr verlieren in Deutschland mehr als 100.000 Menschen, darunter rund 50.000 Kinder, einen Elternteil oder Partner, von dessen Einkommen sie finanziell abhängig waren. Für viele Familien stellt sich damit von einem Tag auf den anderen die Existenzfrage. Dennoch verfügt nur rund jeder zweite Haushalt mit Absicherungsbedarf über eine Risikolebensversicherung. Das zeigt eine Studie des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).
Mit dem Tod eines Elternteils oder Partners endet die finanzielle Verantwortung einer Familie nicht. Miete oder Immobilienkredit, Lebensmittel, Mobilität und andere laufende Ausgaben müssen weiter bezahlt werden, obwohl ein Einkommen fehlt. Haushalte geben im Durchschnitt rund zwei Drittel ihres Einkommens allein für Wohnen, Lebensmittel und Verkehr aus; diese Ausgaben lassen sich kurzfristig kaum reduzieren.
Die Studie zeigt, dass Paare mit minderjährigen Kindern und Haushalte mit Immobilienkredit zwar überdurchschnittlich häufig eine Risikolebensversicherung abgeschlossen haben, aber selbst in diesen Gruppen bleibt etwa jeder zweite Haushalt ohne entsprechenden Schutz. Deutliche Unterschiede gibt es nach Einkommen: Unterhalb von 3.250 Euro Haushaltsnettoeinkommen liegt der Verbreitungsgrad je nach Einkommensklasse nur zwischen 3 und 10 Prozent, während in Haushalten mit mehr als 7.500 Euro netto 46 Prozent über eine Risikolebensversicherung verfügen.
Auch nach Haushaltstyp und Region zeigen sich Unterschiede. Paare mit minderjährigen Kindern weisen mit rund 45 Prozent den höchsten Verbreitungsgrad auf, Alleinerziehende kommen auf etwa 19 Prozent, Alleinlebende nur auf 7,7 Prozent. In Stadtstaaten ist der Anteil der Haushalte mit Risikolebensversicherung deutlich geringer als in Flächenländern, teils nur halb so hoch.
Selbst dort, wo eine Risikolebensversicherung besteht, sei die Absicherung häufig zu niedrig. Als Faustregel gilt, dass die Versicherungssumme etwa drei bis fünf Bruttojahresgehälter zuzüglich offener Kredite umfassen sollte. Im Jahr 2024 lag die durchschnittliche Versicherungssumme pro Vertrag bei rund 121.000 Euro, das durchschnittliche Bruttojahresgehalt betrug dagegen rund 50.000 Euro. Schon ohne bestehende Kredite ergibt sich daraus eine empfohlene Mindestabsicherung von etwa 150.000 Euro; die durchschnittlichen Versicherungssummen liegen seit 25 Jahren durchgängig unter diesem Orientierungswert. (DFPA/mb)
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) mit Sitz in Berlin ist die Dachorganisation der privaten Versicherer in Deutschland.