Analyse: Bankfiliale der Zukunft

Zwischen 2008 und 2018 haben deutsche Finanzinstitute rund 12.000 Filialen geschlossen - ein Trend, der weiter anhält. Die Anzahl der Bankfilialen in Deutschland wird künftig von 29.700 im Jahr 2018 auf rund 19.100 im Jahr 2025 zurückgehen. Bis 2030 soll die Zahl der Standorte auf 15.800 schrumpfen. Das sind Ergebnisse der Analyse „Bankfiliale der Zukunft“ der Strategieberatung Oliver Wyman.

„Die Zahlen klingen zunächst alarmierend, sie sind jedoch eine logische Konsequenz aus der zunehmenden Digitalisierung sowie des anhaltenden Kosten- und Konsolidierungsdrucks, insbesondere bei Filialbanken“, erklärt Dr. René Fischer, Bankexperte und Partner bei Oliver Wyman. Bei der Betrachtung der Filialdichte in Europa werde deutlich, dass Deutschland mit aktuell mehr als drei Filialen pro 10.000 Einwohner zu einem der europäischen Länder mit der höchsten Filialdichte gehört. Die Berater sehen einen Zusammenhang zwischen der hohen Filialdichte sowie der hierzulande noch immer geringen Nutzung des Onlinebanking in Kombination mit der (noch) geringen Bankenkonzentration. Das Onlinebanking wird nur von 59 Prozent der Bankkunden verwendet, was - gemessen an anderen europäischen Ländern - noch deutlich steigerungsfähig sei: In Großbritannien nutzen 74 Prozent der Bankkunden Onlinebanking, in Estland 80 Prozent. Ebenso sei die Bankenkonzentration in Deutschland im internationalen Vergleich am niedrigsten: Der Quervergleich zu europäischen Nachbarn zeige, dass bei steigender Bankenkonzentration die Filialdichte strukturell sinkt.

Banken stehen laut Analyse aufgrund der langanhaltenden Niedrigzinsphase und einer zunehmenden Konsolidierungswelle massiv unter Druck. Bei Konsolidierungen dünnten Banken typischerweise ihre Filialnetze auf Grund von Überlappungen oder Synergie- und Skaleneffekten aus. Hinzu komme aus Kundensicht der Wunsch und die Bereitschaft, Finanzdienstleistungen in Zukunft verstärkt über digitale Kanäle abzuwickeln. Folglich werden immer weniger Bankkunden ihre Filialen aufsuchen, sodass Filialschließungen auch zukünftig eine wichtige Rolle bei der Optimierung der Kostenstruktur deutscher Banken spielen werden.

Allerdings seien Filialen kein Auslaufmodell, denn trotz einer rückläufigen Besuchsfrequenz sieht die Mehrheit der Bevölkerung in der Filiale auch zukünftig einen elementaren Bestandteil in der Beziehung zu ihrem Kreditinstitut: Rund 60 Prozent aller Kunden gehen davon aus, die Filiale für persönliche Beratung auch in drei bis fünf Jahren genauso oft oder sogar häufiger aufzusuchen als heute. Gleichzeitig würden es über 40 Prozent der Filialbankkunden in Erwägung ziehen, ihre Bank zu wechseln, sollte ihre Stammfiliale schließen. Dies sollte Filialbanken spätestens jetzt aufhorchen lassen, denn dies bedeute, dass kumuliert bis zu rund sechs Milliarden Euro bis 2025 beziehungsweise rund acht Milliarden bis 2030 an Kundenerträgen gefährdet seien. (DFPA/mb1)

Quelle: Pressemitteilung Oliver Wyman

Oliver Wyman ist eine Managementberatung mit Büros in 29 Ländern. Das Unternehmen ist eine hundertprozentige Tochter von Marsh & McLennan Companies.

www.oliverwyman.com/de

Zurück

Wirtschaft, Märkte, Studien

„Die Briten haben Boris Johnson das Mandat für einen raschen Austritt ...

Im dritten Quartal 2019 sind auf dem Berliner Büromarkt rund 355.000 ...