Ausblick 2020: US-Bullenmarkt setzt sich fort

Till Christian Budelmann
Till Christian Budelmann

Marktkommentar von Till Christian Budelmann von der Schweizer Privatbank Bergos Berenberg. Er erwartet, dass das zwölfte Jahr der Hausse in den USA eingeläutet wird:

In der Weltwirtschaft ist schon länger nicht mehr alles rosarot, mit einer globalen Rezession ist aber auch 2020 nicht zu rechnen. Der globale Aktienmarkt profitiert weiter von einer recht guten fundamentalen Basis und die technische Sicht lässt ebenfalls auf einen weiteren Kursanstieg hoffen. Die Aktienbewertung ist gegenüber Anleihen nach wie vor aussichtsreich – zudem dürften die Unternehmensgewinne im laufenden Jahr wieder anziehen. Wie schon in den Vorjahren birgt auch 2020 der US-Aktienmarkt die größten Chancen für Anleger, der US-Wahlkampf hingegen könnte sich als größtes Risiko entpuppen.

Die Weltwirtschaft ist zweigeteilt: Während sich der Konsum- und Dienstleistungsbereich gut entwickelt, steckt der industrielle Sektor in der Krise. So lag etwa in den USA der ISM Manufacturing Index zuletzt spürbar unter der entscheidenden Marke von 50. Vor allem die politischen Probleme, allen voran der Handelsstreit zwischen den USA und China, haben den Sektor belastet. Wir hoffen, dass sich das weltweite verarbeitende Gewerbe 2020 etwas stabilisiert. Zwar herrscht immer noch hohe politische Unsicherheit, es gibt aber auch Positives. So dürfte die Teilvereinbarung (Phase-One-Deal) zwischen den USA und China vorerst für Entspannung im Handelsstreit sorgen. Auch beim Brexit, der aller Voraussicht nach Ende Januar erfolgen wird, ist etwas Ruhe eingekehrt. Der Konflikt USA-Iran hat sich seit Jahresbeginn zwar verschärft und stellt unleugbar eine moralische Belastung dar, aus Investorensicht betrachten wir ihn bislang jedoch primär als politisches Thema ohne starken wirtschaftlichen Einfluss. Dies würde sich natürlich ändern, wenn es tatsächlich zum Krieg käme.

Wir erwarten 2020 keine globale Rezession. Die Prognosen von Bergos Berenberg für das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr liegen für die Eurozone und China bei 1,0 und 5,9 Prozent und entsprechen in etwa der Konsensschätzung. Für die USA sind wir optimistischer als die durchschnittliche Ökonomen-Meinung und rechnen mit 2,1 Prozent Wachstum für 2020. Auch wenn die Konjunkturaussichten nicht so schlecht scheinen, eine Zinswende nach oben erwarten wir vorerst nicht. Vielmehr werden die Notenbanken weltweit die Märkte 2020 mit einer expansiven Politik unterstützen. Allerdings dürfte die US-Notenbank im laufenden Jahr von weiteren Zinssenkungen absehen.

Moderates Gewinnwachstum und Renditevorteil gegenüber Anleihen

Nach dem außerordentlich starken Gewinnwachstum 2018 sind die Unternehmensgewinne 2019 kaum vom Fleck gekommen, in Europa deutet sich sogar ein leichter Rückgang an. Dennoch sind die Aktienkurse deutlich gestiegen, globale Aktien haben im vergangenen Jahr um rund 25 Prozent zugelegt. In der Folge haben sich die Aktienbewertungen ausgeweitet. Sind Aktien jetzt zu teuer? Sie sind zwar nicht mehr so günstig wie vor einem Jahr, aber immer noch günstig im Vergleich zu Anleihen. In Europa ist diese Differenz sogar noch größer. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des MSCI World Index liegt in etwa auf dem Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre. Der Renditeabstand zu Anleihen ist nach wie vor äußerst attraktiv.

Subtrahiert man beispielsweise die Renditen zehnjähriger US-Anleihen von den Gewinnrenditen im S&P 500, so ergibt sich aktuell ein Unterschied von 3,6 Prozentpunkten. Für 2020 rechnen wir zudem wieder mit einem weltweiten Gewinnzuwachs, auch wenn wir die zu Jahresanfang üblichen Analystenschätzungen von zehn Prozent für zu hoch halten. Das prognostizierte globale Umsatzwachstum von vier bis fünf Prozent bewerten wir als realistisch, erwarten aber im Gegensatz zum Konsens eine Stagnation bei den Margen. Zusammen mit Aktienrückkäufen und einer Dividendenrendite im gewohnten Mass ergibt sich eine gute fundamentale Grundlage für Aktien in diesem Jahr.

Technik unterstützt gute fundamentale Grundlage

Von technischer Seite wird unsere grundsätzliche Zuversicht gestärkt. Nach einer Seitwärtsbewegung des gleitenden 200-Tage-Durchschnitts des US-Aktienindex S&P 500 – der dritten seit der Finanzkrise – dreht die Linie bereits wieder nach oben und lässt auf eine weitere Aufwärtsphase hoffen. In Europa ist der Stoxx 600 an einem interessanten Punkt. Der Aktienindex liegt auf Höhe seiner Allzeithochs der Jahre 2000, 2007 und 2015. Kann er diese Marke signifikant überwinden, könnte es zu starken Anschlusskäufen kommen.

Eine potenzielle, wenn auch bislang überschaubare Gefahr, sehen wir in einer Kapitulation der Bären. Die Positionierung der Marktteilnehmer ist schon jetzt nicht mehr so defensiv, wie sie einmal war. Sollten Investoren, die lange pessimistisch und vorsichtig waren, nun doch verstärkt auf die Aktienmärkte drängen, wäre dies kurzfristig gut für die Märkte, mittelfristig aber womöglich ein Risiko. Die bislang vorteilhafte Mischung aus günstiger Bewertung und schlechter Stimmung wäre dann weg.

Wir bevorzugen weiterhin den US-Aktienmarkt. Hier sprudeln die Unternehmensgewinne immer noch stärker als im Rest der Welt. Wir erwarten, dass sich der Bullenmarkt 2020 fortsetzt, und das zwölfte Jahr der Hausse in den USA eingeläutet wird. Europa sehen wir jetzt positiver, wir haben die Region bereits Ende 2019 auf neutral heraufgestuft. Emerging Markets bleiben untergewichtet.

US-Wahlen sind zentrales Thema und größtes Risiko

Einen starken Einfluss, nicht nur auf den US-Aktienmarkt, wird unserer Ansicht nach der US-Wahlkampf haben. Als für den Markt neutral bis leicht positiv stufen wir eine Wiederwahl von Donald Trump ein, die potenziell eine Fortsetzung der Steuersenkungs- und Deregulierungspolitik zur Folge hätte, allerdings ebenfalls Handelsstress bedeuten würde. Ähnlich bewerten wir die Wahl eines zentristischen Demokraten wie Joe Biden, Pete Buttigieg oder Michael Bloomberg, wobei hier weniger Handelsstress, dafür aber auch nicht die angebotspolitischen Vorteile zu erwarten wären. Als eher problematisch für die Märkte sehen wir einen Wahlsieg der linksorientierten Demokraten Bernie Sanders oder Elizabeth Warren. Besonders negativ wäre dies zusammen mit einer belastbaren Mehrheit der Demokraten im Senat und Abgeordnetenhaus. In der Folge käme es zu mehr Regulierung und höheren Steuern. Ein solches Szenario wäre das größte Risiko für unseren moderat positiven Marktausblick 2020.

Die aktuell die Schlagzeilen dominierenden Nachrichten rund um das sogenannte Impeachment halten wir bezüglich der Börsen für irrelevant. Es ist trotz des ganzen Lärms nahezu ausgeschlossen, dass Präsident Trump seine erste Amtszeit aus nicht-gesundheitlichen Gründen nicht erfüllen wird.

Till Christian Budelmann ist Kapitalmarktstratege der Schweizer Privatbank Bergos Berenberg, die sich jüngst von der Berenberg-Gruppe gelöst hat. Das Unternehmen ist auf Vermögensverwaltung und Vermögensbetreuung in allen liquiden Assetklassen sowie in alternativen Investments wie Real Estate, Private Equity oder Kunst spezialisiert.

www.bergos-berenberg.ch

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