Besser als ihr Ruf: Das große Potenzial von Cat-Bonds

Der Klimawandel wird täglich sichtbarer: Starkregen und Überschwemmungen in Deutschland und anderen Teilen Westeuropas und Chinas, extreme Hitze und Waldbrände in Kanada und den USA – um nur einige aktuelle Beispiele zu nennen. Anzahl und Intensität zerstörerischer Naturereignisse nehmen weltweit zu. Gleichermaßen steigen die Kosten für den Wiederaufbau. Im Interview mit DFPA erläutert Jan Engelke, Portfoliomanager im Asset Management der Bank für Kirche und Caritas, die Vorteile, die Cat-Bonds für von Naturkatastrophen Betroffene und Versicherungen haben können und warum sie im aktuellen Marktumfeld ein attraktiver Portfoliobaustein sind.

Jan Engelke
Jan Engelke

DFPA: Cat-Bonds sind eine noch recht junge Anlageklasse. Wie genau funktionieren sie?

Engelke: Cat-Bonds, zu Deutsch Katastrophenanleihen, zählen zu den sogenannten Insurance-Linked-Securities (ILS) und stellen eine Verbriefung von Versicherungsrisiken als verzinsliche Wertpapiere dar. Auf diese Weise geben Versicherungsunternehmen und Rückversicherer versicherungstechnische Risikoereignisse gegen Zahlung einer Risikoprämie an den Kapitalmarkt weiter. Dies wird zunehmend auch von Organisationen wie der Weltbank und Nicht-Versicherungsunternehmen wie zuletzt Google genutzt. Cat-Bonds decken dabei in erster Linie Naturkatastrophen wie Wirbelstürme, Waldbrände und Erdbeben ab.

DFPA: Welchen Einfluss hat der Klimawandel auf Cat-Bonds und wie wird sich die Anlageklasse entwickeln?

Engelke: Die Anlageklasse der Cat-Bonds verfügt unserer Ansicht nach noch über deutliches Wachstumspotenzial. Ein möglicher Treiber könnte etwa die wachsende Mittelschicht in Entwicklungs- und Schwellenländern sein, die ihr Eigentum zunehmend gegen Naturkatastrophen absichert. Der Anteil der Menschen mit Versicherungsschutz in den Schwellenländern ist noch äußerst gering. Auch in den Industrieländern sind viele Privatpersonen nicht gegen Naturkatastrophen versichert. Wenn Wirbelstürme und Starkwetterereignisse zukünftig weiter zunehmen, dürfte dies den Versicherungsbedarf aber deutlich erhöhen und sich dementsprechend steigernd auf das Marktvolumen von Cat-Bonds auswirken. Neben Schäden an Wohnimmobilien decken Cat-Bonds auch Schäden an Industrie- oder gewerblich genutzten Gebäuden ab.

Weitere Risikoereignisse stellen unter anderem Übersterblichkeit und Pandemien dar. Auch hier sollte der Bedarf an Versicherungen steigen. Um den Wachstumstrend zu verdeutlichen: Im Jahr 2020 betrug das Marktvolumen von Cat-Bonds fast 50 Milliarden US-Dollar, zwanzig Jahre zuvor lediglich zwei Milliarden US-Dollar.

DFPA: Können Sie uns erläutern, warum Cat-Bonds im Portfolio nicht fehlen sollten?

Engelke: Cat-Bonds stellen insbesondere für defensive und risikoorientierte Anleger als marktneutrale Beimischung eine attraktive Alternative dar. Denn sie besitzen zwei Eigenschaften, die besonders im aktuellen Marktumfeld, das durch äußerst niedrige Anleiherenditen sowie ambitionierte Aktienmarktbewertungen geprägt ist, von Vorteil sind.

Zum einen überzeugen Cat-Bonds vor allem durch sehr niedrige Korrelationseigenschaften gegenüber so gut wie allen anderen Anlageklassen. Der entscheidende Treiber, das Eintreten beziehungsweise Nichteintreten vorab definierter Naturkatastrophen und daraus resultierender Schadensfälle, steht in keinerlei Abhängigkeit zu Konjunkturzyklen, geopolitischen Entwicklungen oder geldpolitischen Rahmenbedingungen.

Zum anderen weisen Cat-Bonds ein attraktives Risiko-Rendite-Profil auf. Europäische Staatsanleihen rentieren selbst in sehr langer Laufzeit vielfach negativ und auch europäische Unternehmensanleihen bieten kaum auskömmliche Rendite. Dagegen können Cat-Bonds – je nach versichertem Risiko – noch immer Renditen von vier bis sieben Prozent über dem Geldmarktzins aufweisen. Investoren müssen dabei keine höheren Durationsrisiken eingehen, im Gegenteil: Cat-Bonds werden mit kurzen Laufzeiten von im Schnitt drei Jahren emittiert, da so die der Bepreisung zugrundeliegenden Risikomodelle regelmäßig aktualisiert werden können.

Verluste stehen dem Investor dann bevor, wenn die in der Anleihe vorab definierten Schadensfälle in einem bestimmten Ausmaß eintreten. Dies können etwa konkrete Schwellenwerte wie Hurrikan-Kategorie, Erdbebenstärke et cetera in Bezug auf eine bestimmte Naturkatastrophe – wie ein Hurrikan in Florida oder ein Erdbeben in Kalifornien – oder konkrete auf die Naturkatastrophe zurückzuführende Schadenssummen sein. Dann verfällt oder verringert sich der Gläubigeranspruch und das Kapital aus der Anleihe kommt den Geschädigten der Katastrophe in Form von ausgezahlten Versicherungssummen oder über Hilfsprogramme der Cat-Bonds-Emittenten zugute.

DFPA: Haben Cat-Bonds also auch positive Effekte für Betroffene?

Engelke: Auf jeden Fall. Speziell die von der Weltbank unter anderem zur Abdeckung von Erdbeben- und Sturmrisiken in Mexiko oder zuletzt dem Dänischen Roten Kreuz zur Abdeckung weltweiter Vulkanrisiken begebenen Cat-Bonds ermöglichen bei Eintreten der definierten Katastrophen vielfach überhaupt erst entsprechende Hilfsmaßnahmen. Denn viele der in den betroffenen Gebieten lebenden Menschen können sich einen klassischen Versicherungsschutz schlicht nicht leisten. Im Optimalfall bleibt der Katastrophenfall aber natürlich gänzlich aus. Niemand nimmt Schaden und der Investor erhält die volle Rückzahlung der Anleihe plus die verdiente Risikoprämie.

Jan Engelke ist Portfoliomanager im Asset Management der Bank für Kirche und Caritas e.G. (BKC) und schwerpunktmäßig verantwortlich für den Bereich Alternative Anlagen. Die 1972 gegründete BKC mit Sitz in Paderborn ist eine nachhaltige Genossenschaftsbank für Kirchengemeinden, kirchlich-caritative Einrichtungen sowie deren hauptamtliche Mitarbeiter. Das BKC Asset Management managt Publikumsfonds, Vermögensverwaltungsmandate sowie Spezialfonds für Stiftungen und kirchliche Institutionen mit einem Fokus auf ethisch-nachhaltigen Kapitalanlagen.

www.bkc-paderborn.de

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