Kommentar: Nebenwerte geben der deutschen Wirtschaft Hoffnung

Alexander Dominicus, Portfoliomanager bei MainFirst Asset Management, sieht trotz der anhaltenden negativen Nachrichten einen Hoffnungsschimmer: Small Caps sind gegenüber Large Caps historisch niedrig bewertet.

Vor allem energieintensive deutsche Unternehmen stellten sich derzeit zunehmend die Standortfrage, beobachtet Dominicus: „Investitionen in neue Produktionskapazitäten werden immer öfter im Ausland getätigt und auch bestehende Werke stehen auf dem Prüfstand, werden teilweise geschlossen oder ebenfalls verlagert.“ Und das, obwohl die Regierung mit der jüngst verabschiedeten Kraftwerksstrategie die Planungssicherheit in Sachen Energie erhöhen und in wasserstofffähige Gaskraftwerke mehr investieren will.

„Der Glanz vergangener Tage bröckelt mittlerweile gewaltig. Für Dekaden war Deutschland ein europäischer Vorreiter mit starker Industrie, innovativer Technologie und hochqualifizierten Arbeitskräften“, sagt Dominicus und betont, dass „Made in Germany“ zur geachteten Marke geworden sei. „Nun klagen Unternehmen insbesondere über eine ausufernde Bürokratie, den fortschreitenden Fachkräftemangel und eine verfehlte Energiepolitik.“

Es ist zu früh, um Deutschland abzuschreiben

Da im kommenden Jahrzehnt die Babyboomer sukzessive das Rentenalter erreichen würden, steige in Unternehmen die Nervosität im Hinblick auf die Verfügbarkeit von Fachkräftten. „Aber die deutschen Unternehmen sind bereits dabei, sich auf diese Zeit vorzubereiten. Sie arbeiten an unterschiedlichen Lösungsansätzen“, so der Portfoliomanager. Besonders die Digitalisierung biete Flexibilität, um Mitarbeiter ortsunabhängig einzusetzen. Das führe dazu, dass neue Stellen zunehmend im Ausland entstehen, zum Beispiel im IT-Bereich. Insbesondere Länder in Osteuropa seien für deutsche Unternehmen wachsende Standorte. Auch Künstliche Intelligenz könne helfen, den Fachkräftemangel abzufedern. Firmen arbeiteten mit Hochdruck daran, manuelle Prozesse zu digitalisieren und damit Personal einzusparen.

Vor dem Hintergrund dieser Bemühungen warnt Dominicus davor, den Stab über Deutschland vorschnell zu brechen. „Die hiesigen Unternehmen haben schon so manche Krise gemeistert und sich erschwerten Bedingungen bereits des Öfteren erfolgreich angepasst“, erläutert er. „Wachstumschancen werden verstärkt im Ausland gesucht, die Expansion wird beispielsweise in den USA sukzessive vorangetrieben. Besonders am aktuellen Höhenflug des DAX lässt sich ablesen, wie deutlich sich Unternehmen von der heimischen Wirtschaftsschwäche abkoppeln können.“

Nebenwerte sind attraktiv – auch für Private Equity

In erster Linie seien es energieintensive Branchen wie Chemie oder Stahl, die an den höheren Energiekosten kränkelten. „Der deutsche Mittelstand hingegen beinhaltet viele Unternehmen mit weniger energieintensiven Geschäftsmodellen, die weniger von der Energiepolitik betroffen sind“, so Dominicus. Daher sieht er im aktuellen Umfeld eine einmalige Investmentchance im deutschen Mittelstand – zumal ein Großteil des Marktes das Nebenwertsegment vernachlässige.

Dass diese Small Caps mittlerweile gegenüber Large Caps zu historisch günstigen Preisen handeln, sei auch Private-Equity-Firmen nicht verborgen geblieben. Im August 2023 habe die Nachricht für Aufregung gesorgt, dass der Private-Equity-Gigant KKR ein Übernahmeangebot für OHB plane, einen klassischen ,,Hidden Champion" in der wachsenden Raumfahrt-Branche. „Das Potenzial wurde dennoch lange von der Börse verkannt“, ordnet Dominicus ein. „Im links liegen gelassenen Nebenwertesegment hat die Firma nicht die nötige Aufmerksamkeit erhalten und ist schließlich von Private Equity als Übernahmekandidat entdeckt worden.“ Weitere prominente Beispiele seien die Softwarefirma Suse und der Hersteller von Isolationsverpackungen va-Q-tec, welche beide durch EQT übernommen wurden.

Übernahmeprämien flankieren das Kurspotenzial

Trotz toller Unternehmen und starker Geschäftsmodelle interessiere sich die Börse kaum noch für diese Aktien. Die wachsende Beachtung von Private Equity für deutsche Nebenwerte biete aber auch Anlegern Chancen, resümiert Dominicus: „Das erhöht das Kurspotenzial für dieses Segment auf eine doppelte Art, da Anleger nicht nur auf eine Erholung des Segments hoffen können, sondern zeitgleich noch attraktive Übernahmeprämien einstreichen, wenn Private Equity die Fühler ausstreckt.“

Mainfirst ist ein unabhängiger europäischer Finanzdienstleister - spezialisiert auf Equity Brokerage, Equity Capital Markets und Asset Management. Standorte des Unternehmens sind Frankfurt, London, Luxemburg, Mailand, München, New York, Paris und Zürich.

www.mainfirst.com

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