DVFA begrüßt finanzwirtschaftlichen Teil des Koalitionsvertrages

Die künftige Regierungskoalition hat in dem Kapitel „Zukunftsinvestitionen und nachhaltige Finanzen“ des Koalitionsvertrages viele sinnvolle und marktwirtschaftliche Lösungsansätze dargestellt, heißt es in einer Stellungnahme der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) zum Koalitionsvertrag von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP.

„Wir begrüßen ausdrücklich den klar erkennbaren Willen, die wichtigen Herausforderungen unserer Zeit wie etwa den Klimawandel, die Digitalisierung und den demografischen Wandel auf Basis nachhaltiger Finanzen anzugehen“, so Roger Peeters, Vorstand des DVFA. „Dabei erscheint es uns als Berufsverband wichtig, für die kommenden Jahre und darüber hinaus, eine effiziente und praxisnahe Umsetzung anzumahnen, damit den guten Ansätzen auch wirkungsvolle Reformen folgen“, ergänzt Peeters.

Im Koalitionsvertrag ist laut DVFA erkennbar, dass der Kapitalmarkt bei der Bewältigung der zukünftigen Herausforderungen eine deutlich größere Rolle spielen soll als zu Zeiten der großen Koalition. Der Ansatz, unter einer schlagkräftigen nationalen und europäischen Regulierung „Börsengänge und Kapitalerhöhungen zu erleichtern“ sei rundum begrüßenswert. Das gelte auch für den klar erkennbaren Willen der Koalitionspartner, KMU (kleine und mittelgroße Unternehmen) sowie Start-Ups aktiv einzubinden und zu fördern. Die Forderung nach sogenannten „Dual Class Shares“ hingegen sieht der DVFA vor dem Hintergrund einer modernen Governance und der möglichen Zersplitterung der Handelsliquidität eher kritisch. Wie der DVFA in seinem „7-Punkte-Plan“ zur Kapitalmarktunion bereits vor der Sommerpause dargelegt hat, ist die sehr niedrige Aktienquote der deutschen Lebensversicherer ein Schwachpunkt in der deutschen Kapitalmarktarchitektur. „Dies zu überwinden, ist extrem wichtig, wird im Koalitionsvertrag jedoch nicht explizit ausgeführt“, erläutert Thorsten Müller, Mitglied des Vorstands des DVFA.

Der Kapitalmarkt nimmt nicht nur in der Finanzierung der Transformation (neben Eigenkapital-instrumenten werden explizit Green Bonds genannt) eine wichtige Rolle ein, sondern auch bei der Bewältigung der demografischen Entwicklung. Der Einstieg „in eine teilweise Kapitaldeckung der gesetzlichen Rentenversicherung“ ist ein Meilenstein, den es nun geschickt zu gestalten gilt.

Die kommende Regierung steht vor der Herausforderung die Weichenstellungen so zu gestalten, dass dabei wenig schädliche Nebenwirkungen entstehen. Beispielhaft erklärt Thorsten Müller „mehrfach hebt der Koalitionsvertrag die Wichtigkeit von KMU hervor. Insbesondere soll deren Zugang zum Kapitalmarkt erleichtert werden. Dabei warnte der DVFA erst Anfang November vor einer regulatorischen Überforderung von börsennotierten KMU bei der Erfüllung von Nachhaltigkeits-standards und die damit verbundene Gefahr einer systematischen Aussteuerung von Investments in KMU.“

Aufgrund der Komplexität der Kapitalmarktregulierung und der anstehenden Verzahnung mit der EU-Taxonomie sowie der in der Konsultation befindlichen Corporate Sustainability Repoting Directive (CSRD) schlägt der DVFA die Einsetzung eines aus Kapitalmarkspezialisten bestehenden Beratungsgremiums für die neue Bundesregierung vor. (DFPA/JF1)

Der DVFA Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management e.V. (DVFA) mit Sitz in Frankfurt am Main ist die Standesorganisation aller Investment Professionals in den deutschen Finanz- und Kapitalmärkten. Für seine über 1.400 Mitglieder aus dem Investment- und Risikomanagement engagiert sich der Verband für die Professionalisierung des Berufsstandes, erarbeitet Standards, fördert den Finance-Nachwuchs und bringt sich in die regulatorische und politische Diskussion ein.

www.dvfa.de

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