"Corona-Bonds scheinen nicht mehr sehr weit entfernt"

Die neue Marktmacht der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB) beim Kauf von Unternehmensanleihen bedeutet, dass die Zentralbanken der finale Käufer im Markt sind (gewissermaßen „buyer of last resort“) und der Steuerzahler letztlich bereitsteht, um die potenziellen Verluste für die Wirtschaft aufzufangen, schreibt Mark Dowding, Chief Investment Officer beim Vermögensverwalter Bluebay, in einem aktuellen Marktkommentar.

Indes stehe den meisten Schwellenländern diese Möglichkeit nicht zur Verfügung, sie seien oft auf externe Kapitalzuflüsse angewiesen. Ohne Ersparnisse oder ausgeglichene Bilanzen werde es spannend sein, wie einzelne Schwellenländer mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über ein Schulden-Moratorium verhandeln, so Dowding. Dazu kommt: Wenn sich die Spreads von Unternehmensanleihen sowohl mit hoher wie auch mit geringer Bonität deutlich ausgeweitet haben, werde das den Drang von US- und europäischen Investoren reduzieren, Erträge in weit abgelegenen Ländern zu suchen, wenn es genügend Gelegenheiten zu Hause gibt.

Laut Dowding wäre es allerdings falsch, alle Schwellenländer über einen Kamm zu scheren. Es wird Geschichten des Erfolgs und des Scheiterns geben. Jedoch erscheint es uns wahrscheinlich, dass die Staaten mit höheren Ersparnissen und geringerer Verschuldung besser für diesen Sturm gerüstet sind.

„Wir glauben, dass die Unsicherheit an den Märkten in den kommenden Wochen noch erheblich sein wird. Es ist unrealistisch zu glauben, dass die Märkte einfach in einer Rally die Verluste genauso schnell wieder aufholen. Jedoch scheint es im Augenblick berechtigt, die Risiken im Portfolio zu erhöhen, um von der starken Reaktion der Geld- und Fiskalpolitik zu profitieren. Im Gegensatz zur Finanzkrise 2008 haben die Zentralbanken dieses Mal einen viel stärkeren Auffangmechanismus installiert.

Eine Vereinbarung über gemeinsame ,Corona-Bonds‘ und eine Letztsicherung des gesamten Euroraums durch den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) liegt vielleicht noch nicht vor – allerdings sieht dieser Schritt zu einer gemeinschaftlichen Haftung für Schulden, der die Eurozone auf eine neue Stufe heben würde, plötzlich nicht mehr weit entfernt aus“, schließt Dowding. (DFPA/JF1)

Quelle: Marktkommentar Bluebay

Bluebay Asset Management LLP ist Spezialist für Fixed-Income-Management. Das Unternehmen mit Sitz in London investiert weltweit mehr als 59 Milliarden US-Dollar für institutionelle Anleger und Finanzinstitute über das gesamte Fixed-Income-Spektrum. Bluebay hat Niederlassungen in Großbritannien, der Schweiz, Deutschland, Luxemburg, den USA, Japan und Australien. Bluebay Asset Management befindet sich zu 100 Prozent im Besitz der Royal Bank of Canada und ist Teil von RBC Global Asset Management.

www.bluebay.com

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